Teil eines Werkes 
99. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 5. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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verzeihe; und daß ſie, obſchon ſie anfaͤnglich hoͤchſt entruͤſtet uͤber ihn geweſen ſey, doch jetzt beſchloſſen habe, ibm nicht nur ihre Verzeihung zu bewilligen, ſondern ihn auch zu wei⸗ tern Ehrenſtellen zu befördern. Sie hielt ihr Wort, denn ſie erhob ihn zum Herzog von Orkney; und den 15. deſſelben Monats begieng Maria, mit unverzeihlicher Unbeſonnenheit, die große Thorheit, dieſen verworfenen und ehrſuͤchtigen Mann, der mit dem Blute ihres Gemahls Darnley beſleckt war, zu heiratren.

Die Koͤnigin entdeckte bald, daß ſie durch dieſe unglüc⸗ che Heirath einen noch grauſamern und ſchlechtern Gemahl, als der lenkſame Darnley geweſen war, erhalten hatte. Bothwell behandelte ſie poͤbelhaft grob, und als er ſeinen Plan, den jungen Prinzen unter ſeine Auſſicht zu bringen, vereitelt ſah, fuͤhrte er eine ſolche beſchimpfende Sprache ge⸗ gen Maria, daß ſie um ein Meſſer bat, um ſich lieber da⸗ mit zu erdolchen, als ſeine rohe Behandlung zu ertragen.

Inzwiſchen erreichte das oͤffentliche Mißvergnuͤgen einen hohen Grad, und Morton, Maitland und andere, die in das Geheimniß der Ermordung Darnley's eingeweiht geweſen wa⸗ ren, ſtellten ſich an die Spitze einer zahlreichen Partei des Adels, die ſeinen Tod zu raͤchen, und Bothwell ſeine uſur⸗ pirte Macht zu entreißen beſchloß. Die Verſchworenen er⸗ griffen ſchnell die Waffen, und haͤtten die Koͤnigin und Both⸗ well faſt uͤberraſcht, waͤhrend ſie im Hauſe des Lord Borth⸗ wick ſpeisten, von wo ſie nach Dunbar flohen. Bei dieſer letztern Gelegenheit war die Koͤnigin in einen Pagen ver⸗ kleidet.

Die verbuͤndeten Lords ruͤckten gegen Dunbar vor, und die Koͤnigin und Bothwell, die ein Heer verſammelt hatten, ruͤckten ihnen entgegen, und ſtießen bei Carberry Hill, nicht