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auch wohl gelehrt dazu— aber den jungen Lo- vel solltet Ihr doch nicht so stolz von Euch wei- sen, als Ihr's neulich thatet, da Ihr mit ihm am Ufer gingt. Ich sah und hört' Euch Beyde, wenn Ihr mich auch nicht gesehen habt. Seyd doch ein wenig freundlich gegen den jungen Menschen; er hat Euch sehr lieb, und verdankt's ihm, und nicht mir, dafs Ihr mit Eurem Vater gestern glücklich gerettet worden seyd.“
Ersprach diese Worte leise, aber vernehmlich, und ging dann, ohne eine Antwort abzuwarten, zu der Thüre, die in die Gesindestube führte.
Isabella blieb einige Augenblicke in der Stel- lung, worin sie des Bettlers letzte Worte gehört haite, an das Fenstergitter gelehnt stehen, und konnte sich nicht überwinden, ein einziges Wort tiber einen so kitzlichen Gegenstand zu sagen— bis sie den Bettler aus dem Gesichte verlor.
Es lieſs sich schwer bestimmen, was sie thun sollte. Sehr peinlich war es ihr, daſs ihre Zu- sammenkunft mit dem jungen, unbekannten Frem- den das Geheimniſs eines Mannes aus einer Klasse, unter der sie am wenigsten einen Vertrauten hätte suchen mögen, und dem Neuigkeitskrämer der ganzen Cegend Preis gegeben seyn sollte. Zwar hatte sie keinen Crund zu der Vermuthung, daſs der alte Mann absichtlich etwas, das ihr Gefühl beleidigen könnte, thun werde; doch verrieth
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