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schon die blose Freyheit, die er sich genommen, über einen solchen Gegenstand mit ihr zu spre- chen, den gänzlichen Mangel an Zartgefühl, der sich erwarten lieſs. Was ihm aber nun zu thun oder zu sagen einfiele, daraus würde, wie es ihr schien, sich ein so erklärter Freund der Freyheit unfehlbar kein Gewissen machen. Dieser Gedanke war ihr so empfindlich und unangenehm, daſs sie fast wünschte, Lovels und Ochiltree's dienst- fertigen Beystand am vorigen Abend nicht erfah- ren zu haben.
In dieser Gemüthsbewegung erblickte sie plötz- lich Oldbuck und Lovel, welche über den Schlofs- hof kamen. Sie zog sich augenblicklich so weit von dem Fenster zurück, dafs sie, ohne gesehen zu werden, bemerken konnte, wie der Alter- thumsforscher, vor dem Gebäude stehen blei- bend, auf die Wappenschilde der ehemaligen Besitzer deutete, und seinem Begleiter viel Merk- würdiges und Gelehrtes davon erzählte, das aber, wie Isabella aus Lovel's zerstreutem Blicke schlies- sen konnte, für ihn so gut als verloren war. Sie mufste jetzt schnell einen Entschlufs fassen, und gab daher einem Diener, den sie herbeyrief, Be- fehl, die Fremden ins Besuchzimmer zu führen, während sie sich auf einer andern Treppe in ihr Gemach begab, um zu überlegen, wie sie sich am schicklichsten zu betragen habe.


