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der zurück. Er will um keinen Preis herauf- kommen,“ versetzte die Zofe;«seine benagelten Schuhe hätten, wie er sagt, noch nie einen Tep- pich berührt, und sollten’'s will's Gott auch nie. Soll ich ihn denn in die Gesindestube führen?n «Nein. Warte! Ich muſs mit ihm sprechen.— Wo ist er 5 fügte sie hinzu, da sie ihn, als er- dem Hause näher kam, aus dem Gesichte verlo- ren hatte. Er sitzt in der Sonne, auf der steinernen Bank im Hofe, neben dem Fenster der Unterstube.² Er soll warten— hörst Dub Ich geh' in die Unterstube, und spreche mit ihm am Fenster.* Sie ging hinunter, und fand den Bettler, halb sitzend, halb liegend, auf der Steinbank. Adam Ochiltree schien sich, ungeachtet er alt und ein Bettler war, doch des günstigen Eindrucks bewufst zu seyn, den seine hohe Gestalt, seine gebiete- rischen Gesichtszüge, sein langer weiſser Bart und sein graues Haupthaar machten. Man pflegte ihn selten anders, als in einer Stellung zu sehen, bey der diese persönlichen Vorzüge sich im besten Lichte zeigten. Wie er jeuzt so da lag auf der Bank, mit den gebräunten, tiefgefurchten Wan- gen, mit dem himmelwärts blickenden scharfen Auge, Wanderstab und Ränzel an seiner Seite, und mit dem Ausdrucke von Klugheit und Ironie in seinen Zügen, während er im Hofe umher- schaute, und dann wieder den Blick emporrich-


