zögert haſt, denn die Strafe konnte dir auf dem Fuße folgen. In⸗ deß biſt du doch endlich gekommen und wir wollen das Beſte hoffen, obwohl das Verhängniß, welches dich bedroht, um ſo ſchrecklicher ſein wird, je weiter es hinausgeſchoben iſt. Zuerſt nimm diejeni⸗ gen Erfriſchungen zu dir, welche die Natur verlangt, um den Appetit zu befriedigen, nicht aber um der Unmäßigkeit zu fröhnen.“
Der alte Mann führte ihn in ein ſommerliches Wohngemach, wo ein frugales Mahl auf dem Tiſche bereit ſtand. Als ſie ſich da⸗ zu niederſetzten, geſellte ſich eine junge, etwa achtzehnjährige Dame zu ihnen, die ſo anmuthig war, daß ihr Anblick die Gefühle des jungen Fremden ganz von ſeinem eignen ſeltſamen und räthſel⸗ haften Geſchick abzog, und ſeine Aufmerkſamkeit nur auf das be⸗ ſchränkte, was ſie that oder ſagte. Sie ſprach wenig und es betraf nur ſehr ernſte Gegenſtände. Sie ſpielte nach ihres Vaters Verlan⸗ gen auf der Harfe, aber es waren Hymnen, womit ſie das Inſtru⸗ ment begleitete. Endlich verließ ſie auf ein Zeichen des Alten das Gemach, und beim Gehen warf ſie auf den jungen Fremden einen Blick unausſprechlicher Beſorgniß und Theilnahme.
Der alte Mann nahm darauf den Jüngling mit ſich in ſein Studierzimmer und redete mit ihm über die wichtigſten Punkte der Religion, um ſich zu überzeugen, ob er ſeinen innern Glauben durch Gründe bewahrheiten könne. Während dieſer Prüfung fühlte der Jüngling, daß ihm unwillkürlich die Gedanken öfters auf andere Dinge ſchweiften und daß er über die ſchöne Erſcheinung nachſinnen mußte, welche das Mittagsmahl getheilt hatte. Der Blick des Aſtrologen ward dann jedesmal ernſt und er ſchüttelte mißbilligend ſein Haupt, wenn er dieſen Mangel an Aufmerkſamkeit bemerkte; im Ganzen indeß war er mit des Jünglings Antworten zufrieden.
Nach Sonnenuntergang mußte der Jüngling ein Bad neh⸗ men, worauf er die Weiſung erhielt, ein Gewand anzulegen, dem ähnlich, wie es die Armenier tragen, ſein langes Haar kämmte er


