10⁰⁶ ſchaft. Den Tod ſeines Sohnes Rüdiger ſchien er mit Ergebung zu tragen.„Es ſey’ beſſer,“ ſagte er,„daß ſein Sohn in der Schlacht gefallen ſey, als wenn er am Leben geblieben und der alten Sitteneinfalt untreu geworden wäre. Das Gold des gefallenen Herzogs,« ſetzte er hinzu,„werde den Sitten der Schweizer un⸗ erſäglicheren Schaden thun, als ſein Schwert ihren Leibern.“ Den Tod ſeines Bruders vernahm er ohne ſichtbare Ueberraſchung, aber ſehr ergriffen, und äußerte: ſein Bruder habe ihm zu wiſſen gethan, daß er eine ſehr gefährliche Unternehmung, bei der er wahrſchein⸗ lich umkommen werde, vorhabe, und ihn gebeten, ſeine Tochter in Schutz zu nehmen. Hierauf fragte er den
Grafen von Oxford:„Was er jetzt zu thun gedenke,
und ob er ihm in nichts behülflich ſeyn könne.“
„Ich will mich in die Bretagne zurückziehen,“ ver⸗ ſebte der Graf,„wo meine Gattin lebt, ſeit die Schlacht bei Tewkesbury uns aus England vertrieben hat.“
»Thut nicht alſo,« entgegnete der Landammann, „ſondern kommt mit Eurer Gemahlin nach Geierſtein, wo Ihr, wenn ſie ſich, wie Ihr, an unſere Sitten und unſere Lebensart gewöhnen kann, brüderliche Aufnahme findet, und weder Verrath noch Verſchwörung Euch
umgibt. Bedenkt, der Herzog von Bretagne iſt ein
ſchwacher Fürſt, und läßt ſich ganz von ſeinem verdor⸗ benen Günſtling, Peter Landais beherrſchen. Er iſt fähig, das Blut wackerer Männer zu verkaufen, und Ihr wißt, daß in Frankreich und Burgund Leute ſind, die nach dem Eurigen dürſten.“«


