Teil eines Werkes 
162. Bändchen = Neue Folge, 12. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 6. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
Entstehung
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63 auch den gedemüthigten Fürſten, dem ein Blitz das Ge⸗ bäude ſeiner kühnen Hoffnungen niedergeſchmettert hatte. Eine Thräne die auf ſeine Hand fiel, ſchien des Her⸗ zogs Aufmerkſamkeit rege zu machen, denn er ſah ge⸗ gen den Grafen auf, und ſagte:„Oxford— Philipſon

— mein alter, mein einziger Freund, haſt Du mi 3 h

aufgefunden in dieſem Schlupfwinkel der Schande und des Elends?2“

„Ich bin nicht Euer einziger Freund, Herr;“ ent⸗ gegnete Oxford.„Viele anhängliche Freunde hat Euch der Himmel unter Euren treuen Unterthanen gegeben; aber, obgleich ein Fremder, ſtehe ich doch keinem nach in der Achtung, die ich Euer Hoheit im Glücke gezollt, und bin gekommen, Euch im Unglücke aufs Neue der⸗ ſelben zu verſichern.“

„Unglück!« wiederholte der Herzog;„ja unerträgli⸗ ches Unglück! Ich war einſt Karl von Burgund, genannt der Kühne— nun bin ich zweimal geſchlagen von dem Abſchaum deutſcher Bauern, meine Fahnen wurden ge⸗ nommen, meine Gewappneten in die Flucht geſchlagen, mein Lager zweimal geplündert, ich ſelbſt gejagt wie ein edles Wild!— Alle Mächte der Hölle hätten nicht mehr Schmach auf das Haupt eines Fürſten laden können.“

„Im Gegentheile Herr,“ entgegnete Oxford,„es iſt eine Prüfung des Himmels, die Geduld und Seelen⸗ ſtärke fordert; er tapferſte und beſte Ritter kann bü⸗ gellos werden, aber nur der iſt feig, der im Sande

liegen bleibt, wenn er aus dem Sattel geworfen wurde.« 8