62 Angelegenheiten ſo wenig hören, als von Jagd und an⸗ derer Kurzweil. Denkt Euch einen Einſiedler, aus ſeiner Klauſe auf einen Thron geſetzt, und Ihr habt das treue Bild des einſt ſo ſtolzen, thätigen Karl.“
„Eure Worte kommen aus tief verwundetem Gemüth, Herr d'Argentin,“ verſetzte Oxford.„Meint Ihr, ich dürfe jetzt vor dem Herzog erſcheinen?“
„Ich will ſehen,“ erwiederte Contay, und verließ das Zimmer. Bald kehrte er wieder, und winkte dem Gra⸗ fen, ihm zu folgen.
In einem Gemache ſaß der unglückliche Karl in ei⸗ nem breiten Armſeſſel, die Beine nachläßig auf einen Schemel ausgeſtreckt, aber ſo verändert, daß der Graf ſeinen Geiſt zu ſehen glaubte. Sein langes Haar, das unordentlich herabfiel, und ſich in den Bart verwickelt⸗ der verſtörte Blick der hohlen Augen, die eingefallene Bruſt, und die hervorſtehenden Schultern gaben ihm das Anſehen eines Todten, und ſein Kleid— ein leicht umgeworfener Mantel, erhöhte noch ſeine Aehnlichkeit mit einem Geſpenſt im Leichentuche. Contay nannte des Grafen Namen, aber der Herzog ſah ihn mit glanz⸗ loſem Auge an, und gab ihm keine Antwort.
„Sprecht mit ihm, wackrer Oxford,“ flüſterte Con⸗
tay dieſem zu;„s' iſt noch ſchlimmer mit ihm, als ſonſt, aber vielleicht kennt er Eure Stimme.“
So lange der Herzog auf dem Gipfel ſeiner Macht ſtand, war der Graf nicht mit ſo aufrichtiger Ehrer⸗ bietung vor ihm gekniet, wie er es jetzt that. Er ach⸗ tete in ihm nicht nur den gebengten Freund, ſondern
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