93 bedürfen, habt Ihr Juwelen zu verpfänden, und für die übrigen Bedingungen bürgt Ihr auf Verlangen. 4
„Ich kann auſſer Eurem königlichen Wort noch meine ritterliche Ehre dafür einſetzen, und verlangt man mehr, ſo bleibt mein Sohn als Geiſel in den Händen des Herzogs.“
„O nein, nein!“ rief Margaretha, von einem zarten Gefühle angewandelt, das die wiederholten Schläge des Schickſals nicht zu erſticken vermocht hatten,„ſetzt nicht das Leben des edlen, jungen Mannes aufs Spiel, bedenkt, daß er der letzte Sprößling des treuen Hauſes de Vere iſt, und verwickelt das arme Kind nicht in den Streit, der ſeinem Hauſe ſo verderblich geworden. Laßt ihn mit mir ziehen, ich will ihn wenigſtens gegen Gefahr ſchützen, ſo lange ich lebe, und dafür ſorgen, daß kein Mangel ihn drückt, wenn ich nicht mehr bin.“
„Verzeiht, Madame,“ entgegnete Oxford, mit der ihm eigenen Feſtigkeit,„mein Sohn iſt ein de Vere, wie Ihr zu erinnern die Güte hattet, vielleicht beſtimmt, der Letzte ſeines Namens zu ſeyn. Aber fällt er, ſo muß es ehrenvoll geſchehen. Welchen Gefahren auch ſeine Pflicht ihn entgegenführt, dem Schwert oder der Lanze, dem Beil oder dem Galgen, er muß ihnen kühn begegnen, um ſeine Treue zu beweiſen. Seine Ahnen Baben ihm den Weg gebahnt, den er zu gehen hat.“
„Ihr habt wahr geſprochen,“ verſetzte die unglückli⸗ che Königin, mit wildem Blick die Arme erhebend, „Alles muß untergehen, was dem Hauſe Lancaſter ge⸗ dient hat, was Margarethen treu und ihr theuer war!


