39 worden ſind, und die Sitten eines fremden Volkes an⸗ nehmen, die mir nicht gefallen wollen?“
„Euer Oheim,“ ſagte Annette feſt:„iſt Landam⸗ mann des Cantons Unterwalden; er achtet ſeine Frei⸗ heit, und hat geſchworen, ſeine Geſetze aufrecht zu er⸗ halten, und wenn Ihr, eine Eingebürgerte, den Schutz derſelben anſprecht, ſo kann er Euch ihn nicht verweigern.“
„Auch dann,“ erwiederte Anna,„würde ich ſeine Achtung und mehr als väterliche Liebe verlieren, doch genug davon. Wenn ich auch den jungen Mann lieben könnte, und ich will nicht läugnen, daß er ſo liebens⸗ würdig iſt als Deine Partheilichkeit ihn ſchildert, ſo hat er—“ ſie hielt hier einen Augenblick inne,„ſo hat
Rer nie ein Wort zu mir von ſolchen Dingen geſprochen.«
„Iſt es möglich?“ rief Annette.„Ich habe mich nie in Euer Vertrauen eingedrängt, aber ich glaubte, Ihr müßtet bei Eurer gegenſeitigen Zuneigung Eure Herzen ſchon einander geöffnet haben, iſt es möglich— man hat von ſolchen Dingen, ſelbſt in unſerem Kanton ſchon ſpre⸗ chen gehört— iſt es möglich, daß er ſo ſchändliche Ab⸗ ſichten hegen ſolle, wie Martin von Breiſach, der Ade⸗ len von Sundgau liebte, ſie verführte— es iſt wahr, ſo unglaublich es ſcheint,— dann ſich davon machte, und ſich überall ſeiner ſchlechten That rühmte, bis ihr Vetter Raimund ihm anf offener Straße den Schädel einſchlug, und ſo auf ewig den Mund ſtopfte? Bei der heiligen Jungfrau zu Einſiedeln! könnte ich glauben, daß der Engländer auf ſolche Treuloſigkeit ſinne, ſo
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