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„Meine Herren, Bürger oder wie Ihr ſonſt genannt werdet, wißt, daß ich mich ſchon in ebenſo großer Ge⸗ fahr wie heute befunden, und ihr niemals den Rücken gewendet habe, um ſie zu vermeiden. Auf die Anklage antworte ich, daß ich ein Engländer bin, und gewöhnt, bei Tageslicht unparteiiſche Gerechtigkeit zu üben und zu erfahren; indeſſen bin ich ein Reiſender, und weiß, daß ein ſolcher nicht das Recht hat, an Geſetzen und Gebräuchen anderer Länder etwas auszuſetzen, welche nicht denen des ſeinigen gleichen. Allein dieß gilt nur in den Ländern, wo die Geſetze, von denen man ſpricht, in voller Kraft und Wirkſamkeit ſind. Man beſchul⸗ digt mich, ich habe in Turin oder an einem andern Orte des nördlichen Italiens über das Gericht, vor dem ich ſtehe, mich nachtheilig geäußert. Ich läugne nicht, daß ich etwas der Art geſprochen, allein es geſchah in Folge einer Frage, auf die mich zwei Gäſte, die mit mir zu Tiſche ſaßen, zu antworten gleichſam nöthigten. Erſt auf dringende Aufforderung ſprach ich meine Mei⸗ nung aus.“
„Und war dieſe,“ fragte der Stuhlherr,»günſtig oder ungünſtig für das Vehmgericht? Sprecht die Wahrheit, bedenkt, daß das Leben kurz iſt, und ewig das Gericht.“ 3
„Ich möchte mein Leben nicht durch eine Lüge erkau⸗ fen; meine Meinung war folgende: Kein gerichtliches Verfahren und keine Geſetze können gerecht und lobens⸗ würdig ſeyn, wenn ſie nur durch eine geheime Verbin⸗ dung wirken; Gerechtigkeit artet, wenn ſie aufhört


