Teil eines Werkes 
160. Bändchen = Neue Folge, 10. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 4. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
Entstehung
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16 ſich hinter die Bänke ſtellten, um die Befehle der Obe⸗ ren zu vollziehen. Sie waren auch Mitglieder, im Allgemeinen Schöppen genannt, und mußten ſchwören, die geſprochenen Urtheile ſelbſt an ihren nächſten Ver⸗ wandten und beſten Freunden zu vollziehen.

Nachdem das Gericht verſammelt war, wurde ein zuſammengelegter Strick und ein bloßes Schwert, die bekannten Sinnbilder der Macht des Behmgerichts, auf den Altar gelegt, hiexauf erhob ſich der Stuhlherr, der auf der erſten Bank in der Mitte ſaß, legte die Hand auf dieſe Sinnbilder und ſprach laut die Eidesformel, welche die übrigen Ritter und Schöppen mit lauter Stimme nachſprachen:

Ich ſchwöre bei der heiligen Dreieinigkeit, ohne Un⸗ terlaß mitzuwirken in Allem, was die heilige Vehme betrifft, und ihre Lehren und Einrichtungen zu perthei⸗ digen gegen Vater und Mutter, Bruder und Schwe⸗ ſter, Weib und Kinder, gegen Feuer, Erde, Luft und Waſſer, gegen Alles, was die Sonne beſcheint und der Thau befeuchtet, gegen Alles, was geſchaffen iſt, im Himmel, auf Erden und im Waſſer. Ich ſchwöre, dem Gericht Alles zu melden, was ich weiß oder von glaub⸗ würdigen Zeugen vernommen, und was nach den Geſe⸗ ten der heiligen Vehme Rüge oder Strafe verdient, nichts zu verhehlen und zu verbergen, was ich weiß, weder aus Liebe noch aus Freundſchaft, weder um Gold noch um Silber, noch um Edelſteine, keine Gemeinſchaft zu haben mit ſolchen, über die das Gericht das Urtheil geſprochen, keinem Angeklagten zu verſtehen zu geben,