14 heimlichen Gerichtes bezeichnete, welches um dieſe Zeit noch in Schwaben, Franken und andern Theilen des öſtlichen Deutſchlands beſtand, die, vielleicht wegen der häufigen Hinrichtungen, welche jene unſichtbaren Rich⸗ ter vollziehen ließen, das rothe Land hießen. Philipſon hatte oft ſagen gehört, daß ein Freigraf, das heißt, eines der Häupter des heiligen Gerichts, manchmal ſogar auf dem linken Rheinufer Sitzungen halte, wiewohl Karl ſi ch Mühe gab, den Verſamm⸗ lungsort zu entdecken, und die Macht der geheimen Richter zu zerſtören, ſo weit dieß möglich wäre, ohne ihren Dolchen ſich auszuſetzen, denn die Furcht vor die⸗ ſen hatte ſchon lange die deutſchen Fürſten und ſelbſt die Kaiſer abgehalten, dieſe Verbindungen aufzuheben. Philipſon hatte nun einen Faden um in das Geheimniß einzudringen, das über dem Benehmen des Prieſters von Sankt Paul lag. Dachte er ſich ihn als eines der Häupter des geheimen Bundes, ſo ließe ſich leicht er⸗ klären, daß er Selbſtvertrauen genug beſaß, um Hagen⸗ bachs Hinrichtung vor dem Herzoge ſelbſt rechtfertigen zu wollen, daß ſein Erſcheinen den Bruder Barthel ſo ſehr erſchreckte, weil er dieſen auf der Stelle zu rich⸗ ten Gewalt hatte, und daß er bei ſeiner Ankunft in der Herberge alle Gäſte in Furcht ſetzte, denn Alles, was auf jenes Gericht Bezug hatte, wurde zwar ge⸗ heim gehalten, wie noch heut zu Tage die Freimaurerei, allein doch bezeichnete man in der Stille gewiſſe Per⸗ ſonen als Eingeweihte. Wer für einen Solchen galt, war für Jeden Gegenſtand der Furcht und des Haſſes,
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160. Bändchen = Neue Folge, 10. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 4. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
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