56 „Hört, Better Rudolph,“ erwiederte Sigmund, und knüpfte ruhig ſein Strumpfband,„Ihr ſchwazt uns immer vor, wir ſeyen freie Schweizer, aber, was nützt denn die Freiheit, wenn man nicht thun kann, was man mag? Ihr ſeyd mein Hauptmann ſo lange ich will ſeht Ihr, aber keinen Augenblick länger. „Und warum willſt Du mich gerade jetzt verlaſſen, Du Narr?“ fragte der Berner. „Das will ich Euch ſagen,“ verſetzte Sigmund.„Es iſt nun beinahe ein Monat, daß ich mit Arthur jage, und ich habe ihn liebgewonnen, er hat mich noch nie einen Narren deßhalb geſcholten, weil es bei mir mit dem Denken etwas langſamer geht, als bei Andern, auch ſeinen Vater mag ich gerne leiden, er hat mir das Wehrgehänge hier und das Horn geſchenkt, das ihn gewiß manchen Batzen gekoſtet. Und der gute Alte ſitzt nun im Schlachthauſe des Fleiſchers, des Hagen⸗ bach! aber wir wollen ihn retten, Arthur, wenn Zwei dieß auszuführen im Stande ſind. Ihr ſollt mich käm⸗ pfen ſehen, ſo lange das Eiſen auf meiner Pike feſthält.“ Bei dieſen Worten ſchwang er ſeine gewichtige Par⸗ tiſane leicht, wie einen Weidenzweig. Er war zwar nicht ſo hoch gewachſen als ſeine Brüder, und weniger raſch und lebhaft, allein ſeine breiten Schultern und „ſeine kräftigen Muskeln machten ihn zu einem nicht zu verachtenden Kämpfer, und kam er einmal in's Feuer, ſo wurde es ſelbſt Rudolph ſchwer ihm zu widerſtehen. Der kräftige Ausdruck wahrer Empfindung macht immer Eindruck auf Gemüther, die von Natur edel
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159. Bändchen = Neue Folge, 9. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 3. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
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