23 mochte, immer unerſchrocken gezeigt, allein ſeine feu⸗ rige, empfaͤngliche Einbildungskraft zeigte ihm nun ſeine hoffnungsloſe Lage unter den fuͤrchterlichſten Bil⸗ dern. Indeſſen dachte er nicht ſowohl an ſich ſelbſt, als an ſeinen Vater, der gleichfalls in den Haͤnden
der Fuͤhlloſen war, die ſich zum Morde entſchloſſen 3
hatten, um den Diebſtahl zu verhehlen. Endlich wurde ihm der Schmerz unertraͤglich, er ſtand auf, und ſtrengte alle ſeine Kraͤfte an, um ſeine Bande zu zer⸗ reiſſen, allein die Stricke waren zu ſtark, und nach mehreren Verſuchen, wobei jene beinahe ins Fleiſch einſchnitten, verlor er das Gleichgewicht, und fiel, nur zwei Schritte von dem Schlunde, ruͤcklings zu Boden; nur wenig fehite, ſo waͤre er in den Abgrund geſtuͤrzt, und ſein Kopf ſchlug an die niedere Rand⸗ leiſte, welche die Oeffnung theilweiſe umgab. Einige Zeit blieb er betaͤubt und unbeweglich liegen, und als er wieder zu ſich kam, war es voͤllig dunkel, denn im Fallen hatte er die Lampe umgeworfen und ausge⸗ loͤſcht. In dieſem Augenblicke hoͤrte er die Thuͤre ſeines Kerkers aufgehen, und rief:„Sie ſind da, die Moͤr⸗ der, barmherziger Gott, vergib mir meine Suͤnden!«« Er wandte die Augen gegen die Thuͤre; ein blen⸗ dender Glanz ſtrahlte ihm von dort entgegen, und ein Mann in ſchwarzem Kleide, in der einen Hand eine Fackel, in der andern einen Dolch, trat auf ihn zu. Waͤre er allein gekommen, ſo haͤtte der ungluͤckliche Gefangene ihn fuͤr den Moͤrder halten koͤnnen, der ſeinem Leben ein Ende machen ſollte, allein es be⸗
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