Teil eines Werkes 
157. Bändchen = Neue Folge, 7. Bändchen, Karl der Kühne, oder: Die Tochter des Nebels : historische Novelle : 1. Theil (1830) Anne of Geierstein or The maiden of the mist
Entstehung
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142 die mich beſeelt, dabei zu Rathe gezogen, und unter den Sachen, die zu meiner freien Verfügung ſtehen, dasjenige gewählt, wodurch ich meine Erkenntlichkeit am beſten ausdrücken zu können glaubte. Ich ſchmeichle mir, Ihr werdet, da Ihr bisher ſo gütig gegen mich geweſen, Eurer Nichte erlauben, das Geſchenk anzu⸗ nehmen, das wenigſtens dem Range, zu dem ihre Ge⸗ burt ſie berechtigt, angemeſſen iſt. Ihr würdet mich falſch beurtheilen, wenn Ihr glaubtet, ich ſey fähig, Euch zu beleidigen oder mir ſelbſt zu ſchaden.

Der Landammann nahm nun das Schmuckkäſtchen aus ſeinen Händen und ſagte:ich bin immer ein Feind des koſtbaren Geſchmeides geweſen, das uns mit jedem Tage mehr und mehr von der Einfalt unſerer Väter entfernt, und doch, ſetzte er freundlich lächelnd hinzu, und hielt eines der Ohrgehänge an die Wange ſeiner Nichte,läßt ihr dieſer Schmuck ſehr gut, und ein Mädchen findet, wie man ſagt, an ſolchem Krame mehr Gefallen, als ein graubärtiger Alter begreifen kann. Ich überlaſſe es daher ganz deiner eigenen Einſicht, Anna, zu entſcheiden, ob du das koſtbare Geſchenk un⸗ ſeres werthen Freundes annehmen und tragen darfſt.«

Da Ihr mir in dieſem Stücke ganz freie Wahl laſ⸗ ſet, lieber Oheim, verſetzte Anna erröthend,ſo will ich unſern geehrten Gaſt nicht dadurch kränken, daß ich ſeine Gabe ausſchlage, jedoch mit ſeiner und Enrer Erlaubniß dieſe koſtbaren Ohrgehänge der heiligen Jungfrau zu Einſiedeln weihen, zum Zeichen unſers Dankes, den ſie uns geſtern bei dem furchtbaren Sturme und heute bei Schlichtung des Streites verliehen.