111
»Mein werther Freund wünſcht dich zu ſprechen, Anna,“ ſagte Arnold zu ſeiner Nichte nach dem Mor⸗ gengruße, denn ſie hatten ſich heute noch nicht geſehen. Ihre Wangen und ſelbſt ihre Stirne färbte eine hohe Röthe, während Philipſon mit einer Zierlichkeit, die über ſeinen Stand zu gehen ſchien, alſo zu ihr ſprach: „Es geſchieht uns Kaufleuten manchmal, daß wir nicht im Stande ſind, unſere Schulden ſogleich zu bezahlen, mit Recht aber halten wir den für niederträchtig, der ſie nicht anerkennt. Empfangt daher den Dank eines Vaters, deſſem Sohne Euer Muth geſtern das Leben rettete, und den Ihr ſo eben durch Eure kluge Vorſicht aus großer Gefahr befreit habt. Nehmt dieſe Ohrge⸗ hänge von mir an,“ ſetzte er hinzu, und überreichte ihr ein Schmuckkäſtchen, das er öffnete, v„es ſind freilich nur Perlen, doch wurden ſle für würdig erachtet, die Ohren einer Gräfin zu ſchmücken, und...... 4.
„ Und folglich,« unterbrach ihn der Landammann, veignen ſle ſich nicht für ein Mädchen aus dem Kanton Unrerwalden, denn etwas Anderes iſt meine Nichte nicht, ſo lange ſie auf unſern Bergen wohnt. Es ſcheint mir, Herr Philipſon, daß Ihr hier ohne Vorbedacht gehandelt habt, denn man muß ſeine Geſchenke dem Range derer, für die ſie beſtimmt ſind, aupaſſen, über⸗ dieß ſolltet Ihr als Kaufmann bedacht haben, daß der Gewinn um ſo kleiner iſt, je größere Geſcheuke man macht.“
„Verzeiht, geehrter Herr,« erwiederte der Engländer, vich habe wenigſtens das tiefe Gefühl der Dankbarkeit,


