88— dadurch, daß er beſtändig eine Pfauenfeder trug und ſeinen Leuten daſſelbe zu thun befahl, ungeachtet dieß das Zeichen des Hauſes Oeſterreich war, welches hier zu Lande ſo ſehr verabſcheut wird, daß ſchon Mancher nur deßwegen, daß er es trug, das Leben verloren hat. Indeſſen hatte ich Bertha, die jetzt eine Heilige im Himmel iſt, zum Weibe genommen, nnd ſie ſchenkte mir ſechs Söhne, von denen fünf heute an meinem Tiſche ſaßen. Auch Albert vermählte ſich mit einer vornehmen Frau aus Weſtphalen, aber ſeine Ehe war nicht ſo geſegnet, und ihm wurde nur eine Tochter, Anna, geboren. Nun kam der Krieg zwiſchen Zürch und den Waldkantonen, in welchem viel Blut vergoſſen wurde, und wo unſere Brüder in Zürch ſo unklug wa⸗ ren, ſich mit Oeſtreich zu verbinden. Der Kaiſer bot Alles auf, um die ihm durch die Uneinigkeit der Schweizer dargebotene guͤnſtige Gelegenheit zu nuͤtzen, und ſuchte alle, uͤber die er etwas vermochte, zu ge⸗ winnen. Nur zu gut gelang ihm dieß bei meinem Bru⸗
der. Albert ſchlug ſich nicht nur zu dem Kaiſer, ſon⸗
dern nahm auch eine Truppe oͤſtreichiſcher Soldaten in ſeine Feſtung Geierſtein, mit welchen der ſchaͤndli⸗ che Schreckenwald die ganze Umgegend, mit Ausnah⸗ me meines kleinen Erbgutes, verheerte.«
„Das war eine peinliche Lage fuͤr Euch, geehrter Herr, denn Ihr mußtet fuͤr Euer Land, oder Euren Bruder Parthei ergreifen. ⸗
„Mein Entſchluß war bald gefaßt. Mein Bruder befand ſich bei dem kaiſerlichen Heere, und ich war


