30 Iu derſelben Zeit, da dies vorging, vereinigte ſich eine
Laſt von Sorgen und Furcht mit den Leiden Sir John
Ramorny's. Sein Geiſt fiel, ſchon durch das Opium angegriffen, in große Verwirrung, als der Prinz, vor dem er all ſeine Kraft zuſammengenommen hatte, um die Wirkungen des Schlaftrunks zu verbergen, das Zimmer verließ. Sein Verſtand, den er während des Geſprächs vollkommen beſeſſen hatte, verließ ihn plötz⸗ lich. Er träumte verwirrt, daß er in großer Gefahr ſey, da der Prinz ſein Feind geworden und er ihm ein Geheimniß anvertraut habe, das ihn das Leben koſten könne. In dieſer Lage des Geiſtes und des Leibes iſt es kein Wunder, daß ſeine Träume ſchreckhaft wurden oder vielmehr ſein kranker Geiſt die fantasmagoriſchen Geſtalten fah, die durch häufigen Gebrauch des Opiums
kerregt werden. Er glaubte den Schatten der Königin
Annabella neben ſeinem Bette ſtehn und den einfachen tugendhaften, unſchuldigen Jüngling ihm abfordern zu fehn, den ſie ihm anvertraut hatte.
„Du haſt ihn leichtſinnig, lüderlich und laſterhaft gemacht,“ ſagte der bleiche Schatten ſeiner Herrſcherin. „Aber ich danke dir, John Ramorny, der du gegen mich undankbar, deinem Worte untreu und ein Ver⸗ räther deines Landes biſt. Dein Haß wird das Uebel heilen, das deine Freundſchaft anrichtete und ich hoffe jetzt, da du nicht mehr ſein Geſchöpf biſt, daß eine bit⸗ tere Reue auf dieſer Erde meinem unglücklichen Sohne
„Vergebung in einer beßern Welt erkaufen wird.“
Ramorny ſtreckte die Arme gegen ſeine Wohlthäterin


