105 2 und er hatte ſich bereits an dem Kamin geſetzt, ehe der Waffenſchmied, der nach allen Seiten um ſich blickte, ſich überzeugen konnte, daß kein Feind den Flüchtling verfolge. Er ſchloß hierauf ſeine Thüre wieder und kam in die Küche zurück, unzufrieden, daß ſeine tiefe Einſamkeit geſtört und ſeine Güte durch eine Furcht getäuſcht worden, die ſo leicht zu erregen war⸗ als die ſeines feigen Mitbürgers.
„Was ſoll das bedeuten,“ ſagte er ziemlich kalt, als er den Mützenmacher an ſeinem Herde ſah,„was iſt das für eine Faſchingsnarrheit, Meiſter Olivier? ich ſehe Niemand, der Euch verfolgt.“
„Gebt mir zu trinken, Kamerad,“ antwortete Olivier, „die Eile, mit der ich hieher gekommen bin, hat mich erſtickt.“ 3
„Ich habe geſchworen, daß heute Nacht in meinem Hauſe kein Gelage ſeyn ſoll. Ich bin in meinen Werk⸗ tagskleidern, wie Ihr ſeht. Für mich iſt heute Faſt⸗ tag und nicht Feſttag und ich habe gute Gründe dazu. Ihr habt dieſen Abend genug getrunken, denn Ihr könnt kaum reden. Wenn Ihr noch Wein oder Bier wollt, könnt Ihr anders wohin gehen.“
„Es iſt wahr,“ ſagte der arme Olivier,„ich habe ſchon geſchmaust und ich kann beifügen, daß ich im Wein erſäuft wurde. Der verfluchte Flaſchenkürbis! Ein Tropfen Waſſer, Freund, iſt Alles, was ich ver⸗ lange und ich hoffe, ich werde nicht umſonſt bitten; oder, wenn Ihr wollt, ein Glas ſchlechtes Bier.“
„Wenn Ihr das verlaugt,“ ſagte Heinrich, yſo ſoll's


