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„Wer klopft ſo ſpät und was will man?“
„Ich bins, Olivier Proudfute, und habe Euch einen guten Spaß zu erzählen, Bruder Heinrich!“
„Tragt Eure Narrheiten auf einen andern Markt, ich bin nicht für Späſſe gelaunt, lebt wohl, ich will heute Abend Niemand ſehen.“
Aber, Kamerad, guter Kamerad, ich bin von Schuf⸗ ten umringt und bitte um Zuflucht unter deinem Dach!“
„Du Narr,“ erwiederte Heinrich,„der feigſte Hahn vom Miſthaufen, der dieſes Feſt gekämpft hat, würde es verachten, ſeine Federn gegen einen Haſenfuß, wie du, zu ſpreizen.“
In dieſem Augenblick ließ ſich die Muſik wieder hö⸗ ren. Sie ſchien ſich zu nähern und der Mützenhändler, der ſeine Furcht nicht verhehlen konnte, rief:
„Im Namen unſerer alten Freundſchaft und aus Liebe zu unſerer Frau, Heinrich, gebt mir Zuflucht, oder Ihr findet morgen an Eurer Thür meinen Leichnam durch die blutdürſtigen Douglas verſtümmelt.“
„Das wäre eine Schande für mich,“ dachte der gute Heinrich,„und vielleicht iſt er wirklich in Gefahr. Es
gibt Falken, die lieber einen Sperling, als einen Reiher anpacken.“ Indem er ſich halb laut, halb leiſe dieſe Gedanken ma hte, öffnete er ſeine wohlgeſchloſſene Thüre mit dem Vorſatz, die Wirklichkeit der Gefahr zu unterſuchen, ehe er den Mützenhändler bei ſich eintreten ließe. Aber während er ſich in der Straße umſah, ſchlüpfte Olivier in das Haus wie ein gehetzter Hirſch in ein Gebüſch,
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