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„Behalte dein Bedauren jetzt für dich,“ ſagte Glo⸗ ver, ihn etwas rauh unterbrechend.“„Ihr müßt wiſ⸗ fen, Oliver, daß einige Weiber in der Stadt, die ſich mit Jedermanns Sachen abgeben, Heinrich beſchuldigt haben, daß er mit Sängerinnen und andern Weibsbil⸗ dern der Art umgehe. Katharine iſt dadurch verletzt und ich glaubte mein Kind beleidigt, weil ſich Heinrich gar nicht benahm, wie es einem Valentin zukam, ſon⸗ dern an demſelben Tag, da er der alten Sitte gemäß die beſte Gelegenheit hatte, mit meiner Tochter von ſeiner Liebe zu reden, eine unſchickliche Geſellſchaft vor⸗ zog. Auch verſagte ich ihm, da er Abends ſehr ſpät zu mir kam, die Thür und wie ein alter Narr bat ich ihn, in ſein Haus zu der Geſellſchaft zurückzugehn, aus der er herkomme. Ich habe ihn ſeitdem nicht ge⸗ ſehen und fange an, meine Hitze für vorſchnell zu halten. Katharine iſt meine einzige Tochter, aber lieber wollt⸗ ich ſie im Grab ſehn, als ſie einem Lüderlichen geben. Indeß kenne ich Heinrich Gow, wie meinen eignen Sohn, ich kann nicht glauben, daß er uns beleidigen wollte und es läßt ſich ohne Zweifel der Fehler, den man ihm aufbürdet, zu ſeinem Vortheil erklären. Man rieth mir, mich an Dwining zu wenden, der Smith auf dem Spaziergang mit ſeiner Schönen begegnete. Wenn ich dem Apotheker glaube, ſo war es Heinrichs Baſe Fohanne Letham. Du weißt, daß Dwining mit den Augen eine andere Sprache redet, als mit den Lippen, aber du, Oliver, biſt zu wenig witzig, ich will ſagen, zu ehrlich, um die Wahrheit zu verdrehen und da Dwi⸗ ning beifügte, du habeſt auch das Mädchen geſehen—


