126 „Ach, Heinrich, Heinrich,“ ſagte die alte Frau kopf⸗ ſchüttelnd;„ſo bereitet man das Haus eines ehrlichen Mannes nicht zur Aufnahme einer jungen Braut. Ihr ſolltet von Sittſamkeit und Klugheit, und nicht von Liederlichkeit und Unkeuſchheit euch leiten laſſen.“ „Ich ſage euch noch einmal, daß mich das arme We⸗
ſen nichts angeht. Ich wünſche nur, daß ſie in Si⸗
cherheit iſt, und hoffe, der frechſte Gränzbewohner wird mein Thürſchloß reſpectiren, wie das am Gitter des Schloſſes Carlisle. Ich begebe mich zu Simon Glover, und bleibe die ganze Nacht dort; denn ſein Lehrjunge iſt in die Berge davon gegangen, wie ein junger Wolf; ſo gibt es ein leeres Bett, und Vater Simon wird es zufrieden ſeyn, wenn ich es benütze. Ihr bleibt bei dem armen Mädchen, gebt ihr Speiſe, und beſchützt ſie wah⸗ rend der Nacht. Ich werde ſie vor Tag abholen; ihr könnt ſie mit mir an's Fahrzeug führen, Amme, und eure letzten Blicke werden zugleich mit den meinigen auf ihr ruhen.“ 4
„Das Alles iſt vernünftig,“ ſagte Frau Schoolbred; „aber warum wollt ihr Gefahr laufen, euren guten. Ruf um eines Mädchens willen zu verlieren, das um etliche Pfenning und vielleicht noch weniger eine Wohnung fände? Es iſt ein Geheimniß, das ich nicht errathen kann.=*
„Verlaßt euch auf mich, Amme, und ſeyd mitleidig gegen das Mädchen.“
„Mitleidiger als ſie verdient, ich verſichere euch; ich denke aber auch, wenn ich gleich nicht gern in Geſell⸗ ſchaft einer ſolchen Dirne bin, ſo wird ſie mir doch nicht weniger ſchaden, als euch. Wenn ſie nur keine Hexe iſt, was wohl möglich wäre; denn dieſe Land⸗ ſtreicher ſind meiſtens dem Teufel ergeben.“
„Sie iſt ſo wenig eine Hexe, als ich ein Hexenmei⸗ ſter,“ ſagte der wackere Waffenſchmied;„ein armes Geſchöpf, deſſen Herz gebrochen ſcheint, und das, wenn es Fehler begangen hat, eher ſelbſt durch einen Zau⸗


