127 berer verführt war. Seyd gut gegen ſie, und ihr, mu⸗ ſikaliſches Fräulein, ich werde euch morgen wieder ſe⸗ hen, um euch an's Ufer zu führen. Dieſe alte Frau wird ench mild behandeln, wenn ihr nichts ſagt, was keuſche Ohren beleidigen kann.“
Die junge Sängerin hatte dieſes Geſpräch gehört, ahne mehr davon zu verſtehen, als den Sinn; ſie ſprach gut engliſch; aber ſie hatte es in England gelernt, und der Dialeect des Nordens war damals wie jetzt rauher und breiter. Sie erſah demungeachtet, daß ſie bei der alten Frau bleiben ſollte, und hänkte, indem ſie die Arme ſittſam über die Bruſt kreuzte, demüthig den Kopf. Sie ſah ſofort den Waffenſchmied mit lebhafter Dankbarkeit an, hob die Augen zum Himmel, nahm die Hand, die er ihr ließ, und wollte einen Kuß auf die nervigen Finger drücken, als Frau Schoolbred, die dieſe Art, ihre Dankbarkeit zu zeigen, nicht billigte, ſich zwiſchen beide warf, und Louiſen an die Seite ſto⸗ ßend ſagte:„nein, nein! ich will nichts der Art hier haben. Fort, geht in den Kaminwinkel dort, Miſtreß, und wenn Heinrich weg iſt, und ihr Hände küſſen müßt, ſo könnt ihr die meinigen küſſen, ſo oft es euch Ver⸗ gnügen macht. Und ihr, Heinrich, packt euch zu Si⸗ mon Glover; denn wenn die ſchöne Miſtreß Katharina hört, welche Geſellſchaft ihr hergebracht habt, wird ſie es eben ſo wenig billigen, als ich— aber was ſoll das ſeyn? Seyd ihr toll geworden? wollt ihr ausgehen ahne en Schild, während die ganze Stadt im Auf⸗
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„Ihr habt Recht, Frau,“ antwortete der Schmied, warf den Schild über die breiten Schultern, und ging hinaus, ohne auf weitere Fragen zu hören.


