Teil eines Werkes 
152. Bändchen = Neue Folge, 2. Bändchen, Das schöne Mädchen von Perth : 2. Theil (1830) The fair maid of Perth
Entstehung
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123 metrie, mit der ihr Scharlachmantel auf dem Haupt befeſtigt war und über beide Schultern herabfiel, einen höheren Rang andeuteten, als den der Mutter School⸗ bred, der Schaffnerin des Waffenſchmieds. Indeſſen hatte ſie keinen andern Titel.

Da ſie nicht bei der Frühmeſſe geweſen war, ſaß ſie ruhig neben dem Feuep: ihr halb durchgebeteter Roſen⸗ kranz hing an dem linken Arm, ihr halbausgeſproche⸗ nes Gebet hielt oft auf den Lippen ſtill, und ihre halb⸗ geſchloſſenen Augen ſchlummerten, während ſie den er⸗ wartete, deſſen Amme ſie geweſen war, ohne die Stunde errathen zu können, wann er zurückkehrte. Sie erhob ſich beim Geräuſch der Eintretenden, und warf auf die Begleiterin einen Blick des Erſtaunens, der bald in den Ausdruck des höchſten Unwillens überging..

Mögen alle Heiligen mein Geſicht beſchützen, Hein⸗ rich Smith! rief ſie andächtig.

Amen, von ganzem Herzen! bereitet etwas zum Eſſen, gute Amme; denn ich fürchte, dieſe arme Rei⸗ ſende hat nur ein mageres Mittageſſen gehabt.

Und ich bitte unſre liebe Frau, mein Geſicht vor allen gefährlichen Täuſchungen des Satans zu bewahren.

Es ſey ſo, ſage ich, gute Frau; aber wozu dieſe Paternoſter und dieſes Gebet. Hört ihr mich nicht, oder wollt ihr nicht thun, was ich verlange?

Er muß es doch ſelbſt ſeyn! aber großer Gott! er ſieht eher aus, wie ein Teufel, wenn dieſe Dirne an ſeinem Mantel hängt. O, Heinrich Smith! die Leute nennen euch einen jungen Wüſtling in derlei Dingen. Aber wer hätte geglaubt, Heinrich könne ein Weib von ſchlechtem Lebenswandel unter das Dach bringen, das ſeine Mutter deckte, und unter dem ſeine eigene Amme dreißig Jahre lang gewohnt hat?

Schweigt, alte Frau, und ſeyd vernünftig, ſagte der Waffenſchmied;dieſe Sängerin iſt weder meine noch irgend jemands Buhlerin, den ich kenne. Aber ſie muß