122 3 ihn rupfen, wie ein Falke ein Rebhuhn rupft. Er weiß es vorher.“
Während dieſe Gedanken ihn beunruhigten, erreichte Heinrich das Ziel ſeiner Reiſe, und kam endlich mit dem Mädchen, das ſich noch immer an ſeinen Mantel hielt, mitten in dem Wynd ⁰) an, der die Ehre hatte, ſeine Wohnung einzuſchließen, und nach welchem man ihn, der Unſicherheit gemäß, die damals in Anwendung der Beinamen herrſchte, oft Heinrich von Wynd nannte. Hier brannte an Werktagen ein Ofen, und vier halb⸗ nackte Burſche betäubten die Nachbarſchaft durch den Lärm des Hammers und Amboßes. Aber am St. Ba⸗ lentinstage war kein Handwerksmann an der Arbeit, und die Cyelopen hatten die Werkſtatt geſchloſſen, um ihren eigenen Geſchäften oder ihrem Vergnügen nachzu⸗ gehen. Heinrich war Beſitzer des Hauſes, das an die Schmiede ſtieß. Es war klein und lag in einer engen Straße; aber ein großer Garten voll Fruchtbäume gab ihm ein liebliches Ausſehen. Der Waffenſchmied, ſtatt zu rufen oder zu klopfen, was die Nachbarn an Thüre und Fenſter gerufen hätte, zog einen Hauptſchlüſſel von ſeiner eigenen Arbeit aus der Taſche, was damals noch ein Gegenſtand des Neides und der Neugierde war, öffnete die Thür und führte ſeine Begleiterin ins Haus.
Das Gemach, in welches ſie traten, war die Küche. Unter den Bürgern von Heinrichs Rang diente ſie als Hudtzimue⸗ obwohl einige wenige, unter denen auch
imon Glover war, außer dem Zimmer, wo das Mahl bereitet wurde, noch ein eigenes Speiſezimmer hatten. Im Winkel dieſes Gemachs von höchſter Schönheit ſaß eine alte Frau, deren ſorgfältige Kleidung und die Sym⸗
*) Wynd bezeichnet im Schottiſchen einen Hof, eine Gaſſe, enen Weg..
Anm. d. Her.


