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„Pfui, Charlott!“ ſagte Louiſe;„du weißt wohl, daß ich dich ſelbſt tragen werde.“
Sie verſuchte den Wachtelhund zu fangen, aber er entſprang ihr, ging auf die andere Seite von Heinrich und erneuerte ſeine Bitten.
„Charlot hat Recht,“ ſagte der Waffenſchmied;„er merkt, wer von uns am ſtärkſten iſt. Das lehrt mich, mein ſchönes Mädchen, daß Ihr nicht immer allein waret, um Eure Sachen zu tragen; Charlot iſt ein Schwätzer.“
Todesbläße bedeckte die Wange der Sängerin, wäh⸗ rend Heinrich ſprach. Er war genöthigt, ſie zu hal⸗ ten; denn ſie wäre zu Boden gefallen. Nach und nach kam ſie wieder zu ſich und äußerte mit ſchwacher Stim⸗ me den Wunſch, weiter zu gehen.
„Haltet Euch an meinen Mantel,“ ſagte Heinrich, „oder lieber an meinen Arm, der wird Euch beſſer ſtü⸗
tzen.— Wir müſſen gut ausſehen,“ dachte der Waffen⸗
ſchmied,„und hätte ich nur noch eine ſchlechte Geige oder eine Guitarre auf dem Rücken, wir würden dem luſtigſten Paar Landſtreicher gleichen, das jemals den Strick an einem Schloßthore gepackt hat.— Potz Nä⸗ gel! wenn mir ein Nachbar mit dieſem Pack Lumpen auf dem Rücken begegnete, einen Hund unterm Arm und ein Mädchen dieſer Art an meinem Mantel hän⸗ gend, was würde er denken, als ich ſey auch ein Co⸗ mödiant geworden? Nicht um die beſte Rüſtung, über die ich ſchon den Hammer gehoben habe, möchte ich in dieſem Aufzug einigen der Schwätzer unſrer Stadt be⸗ gegnen. Sie würden einen Spaß daraus machen, der von St. Valentin bis Lichtmeß dauerte.“
Von ſeinem Gedanken geqguält, nahm Heinrich auf Gefahr, ſeinen Gang zu verlängern, einen Umweg, die Hauptſtraßen zu vermeiden, die wegen der ſtattgehabten Auftritte immer voll von Leuten waren. Aber unglück⸗ licherweiſe nützte ihn ſeine Klugheit nichts. Denn beim


