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der Waffenſchmied äußerſt mild.„Es wäre ein Mord, Euch der Kälte einer ſchottiſchen Februarnacht ausge⸗ ſetzt, in freier Luft ſchlafen zu laſſen. Nein, nein, ſo wäre mein Wort nicht gelöst, und wenn ich Gefahr laufe getadelt zu werden, ſo iſt es gerechte Strafe da⸗ für, daß ich ſchlimm von Euch dachte, und Euch durch ein Benehmen betrübte, das Ihr, wie ich überzeugt bin, nicht verdientet. Komm mit mir, Mädchen— Du haſt für dieſe Nacht eine ſichere Wohnung, was auch daraus folge. Es wäre eine ſchlechte Höflichkeit für meine Ka⸗ tharine, ein armes Geſchöpf erfrieren zu laſſen, um eine Stunde früher ihre Geſellſchaft zu genießen.“
Indem Heinrich dieſe Worte ſagte, verjagte er mit Auſtrengung jede Unruhe, die as der eben gefaßte kühne Entſchluß erregte. Seine muthige Seele beſchloß die Verläumdung herauszufordern und der armen Land⸗ ſtreicherin eine Wohnung in ſeinem eigenen Hauſe zu geben. Man muß indeſſen beifügen, daß er ſich äußerſt ungern dazu entſchloß, aber doch der Begeiſterung des Wohlwollens nachgab, die ihn ſeit einem Augenblicke ergriffen hatte.—
Von der Zeit, da der ſtarke Sohn Vulkan's ſeine ganze Zärtlichkeit dem ſchönen Mädchen von Perth ge⸗ ſchenkt hatte, ſtellten ihn ungeſtüme Leidenſchaften un⸗ ter den Einfluß der Venus wie des Mars. Aber ſeine aufrichtige Liebe heilte ihn für den Augenblick von ſei⸗ ner Schwachheit; er war daher mit Recht eiferſüchtig auf ſeinen neuen Ruf der Weisheit, den ſein Beneh⸗ men gegen die arme Landſtreicherin einem Verdacht aus⸗ ſetzen konnte. Er zweifelte vielleicht auch ein wenig an ſeiner eigenen Kraft, indem er ſich ſo tollkühn der Verſuchung blosgab. Noch verzweifelter war er darit⸗ ber, das St. Valentinsfeſt zu verlieren, das ihm den Anſpruch gab und ſogar die Pflicht auflegte, den ganzen Tag bei derjenigen zuzubringen, die ſeine Genoſſin für das Jahr geworden war. Die Reiſe nach Kinfauns und


