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des Schmucks, den ſie Zeit gehabt hatte in das Körb⸗ chen zu legen, das vorhin ihre gewöhnlichen Kleider gefaßt hatte. 42
3 Der Mönch öffnete eine Pforte und ſie befanden ſich in einem Garten, der das Dominikanerkloſter umgab. Das ſüdliche Gitter iſt nur mit dem Riegel geſchloſ⸗ ſen„« ſagte er,„und ihr könnt dieſen Weg unbemerkt verfolgen.— Gott ſegne dich, mein Sohn, und auch dich, unglückliches Kind! Eriunere dich des Orts, wo du deine leichtſinnigen Kleider abgelegt haſt, und mö⸗ geſt du ſie nie wieder anziehen können!“
„Ach, mein Bater!' ſagte Loniſe,„wenn die arme Fremde die geringen Bedürfniſſe ihres Lebens durch eine würdigere Beſchäftigung erwerben könnte, würde ſie gern ihrer Kunſt entſagen.“
Aber der Mönch war nicht mehr da; ſelbſt die Pforte, durch die ſie herausgetreten waren, ſchien verſchwunden
u ſeyn, ſo künſtlich war ſie unter einem beweglichen Pfeller und unter den mannigfachen Zierrathen der go⸗ thiſchen Bauart verſteckt. 3 „Hier geht ein Mädchen durch die geheime Thür her⸗ aus,“ dachte Heinrich,„verhüte der Himmel, daß die guten Väter je eine hier hineinlaſſen. Der Ort iſt ganz geeignet, zuun hier Verſteckens zu ſpielen.— Aber, gu⸗ ter Gott! was fang' ich jetzt an? ich muß mich ſo ſchnell als möglich des Mädchens entledigen und ſie an einen ſichern Ort führen, denn ſey ſie wer ſte wolle, ſie ſicht zu ſittſam gus, ſeit ſis auſtändig gekleidet iſt, um die Züchtigung zu verdienen, womit die Barbaren von Galloway und die Teufelslegionen von Liddel ſie beſchenken würden.. 498 2 Louiſe blieb ſtehen, als wartete ſie bis Heinrich einen Weg wähle. Ihr kleiner Hund, durch die reine Luft muthig gemacht, hüpfte ſchnell über die Stuaße hin und hey, ſprang zu ſeiner Gebieterin, und lief ſelbſt, obwohl ſchüchterner, um Smith herum, theils um ſeine


