Teil eines Werkes 
152. Bändchen = Neue Folge, 2. Bändchen, Das schöne Mädchen von Perth : 2. Theil (1830) The fair maid of Perth
Entstehung
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Ich wage: nicht, allein hier zu bleiben, ſagte ſte, aber wenn Ihr es befehlt, mein Vater, ſo muß ich gehorchen. 2

Kind der Eitelkeit, antwortete der Mönch,was dich ſchreckt, ſind die ſterblichen Reſte derer, die in ih⸗ rem Leben der Weltluſt fo Utan⸗ Und ſo wirſt du einſt ſeyn wegen deines Leichtſinns, deines Umherſchweifens, deiner Liebeleien und Geſänge, du und alle Diener üp⸗ piger Lüſte, ihr werdet des Begrähniſſes beraubt, wie dieſe Gebeine, die deiner Weichlichkeit zuwider ſind und die du nicht anzuſehen wagſt. 43

Sagt nicht, ſie ſeyen meiner Weichlichkeit zuwider, ehrwürdiger Vater, entgegnete Louiſe.Der Himmel iſt Zeuge, daß ich die Ruhe dieſer unter dem Gewölbe gebleichten Reſte beneide. Wenn ich ohne Sünde, in⸗ dem ich ſie umfaßte, ihre todte Starrheit erreichen könnte, ich würde dieſen Knochenhaufen zum Lager wählen lieber als das ſanfteſte und ſchönſte Bett in Schottland.

Gedulde dich und folge mir, ſagte der Mönch in milderem Ton,der Schnitter darf die Arbeit nicht ver⸗ laſſen, ehe der Sonnenuntergang ihm das Zeichen gibt.

Sie gingen wieder voran. Am Ende eines langen Gangs öffnete der Bruder Cyprian die Thür eines klei⸗ nen Gemachs, vielleicht einer Capelle, denn man ſah darin ein Crucifix, um das vier Lampen brannten. Alle bekreuzten ſich zugleich und bengten die Knie.Was ſagt der, deſſen Zeichen hier ſteht? fragte der Mönch die Sängerin, auf das Ernciſix deutend. 1

Er ſagt dem Sünder, wie dem Gerechten:, Kommt

alle zu mir!

Ja, antwortete der Bruder,wenn der Sünder Buße thut. Mädchen, bereite dich bier auf deine Reiſe.

Louiſe blieb eine Weile in der Capelle und erſchien wieder, mit einem Mantel von grobem, grauen Tuch bedeckt, in den ſie ganz eingewickelt war, nach Ablegung