107 zerſtören als ihre ganze Brüderſchaft zuſammen, ich
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habe es weikgebracht, wenn meine ritterliche Galanterie für ſie Katharinen zu Ohren kommt. Es wird ſchlim⸗ mer ſeyn, als hätte ich den beſten Mann von Perth getödtet und bei Hammer und Nägeln! ich wollte es lieber gethan haben, wenn er mich beleidigt hätte, als dieſe Dirne durch die Stadt führen.“
Bielleicht errieth Louiſe den Grund ſeiner Unruhe, denn ſie ſagte mit ſchwankender und furchtſamer Stim⸗ me:„Würdiger Herr, wäre es nicht gut, wenn ich einen Augenblick in dieſer Capelle bliebe, um meinen Mantel anzulegen?“ 1
„O ja, Mädchen, Ihr habt Recht,“ ſagte Smith. Aber der Mönch wandte ſich um und erhob die Hand als Zeichen des Verbots.
„Die Capelle des heiligen Madox iſt kein Putzkabinet für elende Gaukler und Landſtreicher,“ ſagte er,„ich will dir gleich einen Ort zeigen, der für Leute deiner Art beſſer paßt.“.
Das arme Mädchen beugte demüthig das Haupt und verließ die Thür der Capelle mit tiefem Gefühl ihrer Erniedrigung. Der kleine Wachtelhund ſchien aus Blick und Benehmen ſeiner Gebieterin zu merken, daß ſie an dieſen heiligen Ort kein Recht haben. Er ſeukte die Ohren, fegte die Steinplatten mit dem Schweif und folgte Louiſen faſt auf der Ferſe. 1
Der Mönch hielt keinen Augenblick an. Es ging einige Treppen hinunter und durch ein Labyrinth ſchlecht erleuchteter unterirdiſcher Gänge. Als ſie unter dem Gewölbe einer niedern Pforte durchgingen, wandte ſich der Mönch und ſagte ſtreng zu Louiſen:
„Hier, Tochter der Thorheit iſt das Putzzimmer, wo viele andere vor dir ihre Kleider abgelegt haben.“
Auf das geringſte Zeichen mit Demuth antwortend, drückte Louiſe an die Thür, um ſie zu öffnen, und fuhr in demſelben Augenblick ſchaudernd zurück. Es war ein Beinhaus halb voll von Knochen und Schädeln.


