96 48
der erwartete ſchweigend den Ausgang und hielt den Athem an, um, was vorging, beſſer zu hören und zu ſehen.
Als der Herzog aus Douglas gleichgültiger und düſt⸗ rer Miene wahrnahm, daß der Graf nicht geneigt ſchien, ihm die ſchuldige Ehrerbietung, oder auch nur den ein⸗ fachen Gruß der Höflichkeit zu zollen, beſchloß er, ihm u zeigen, wie wenig Gewicht er auf ſeine mißbilligen⸗ den Blicke lege. Er nahm daher ſeinem Kämmerer die Börſe aus der Hand und fuhr zu Louiſen fort:„Nimm, ſchönes Mädchen, ich gebe dir ein Goldſtück für die Verſe, die du mir geſungen haſt, eines für die Nüſſe, die ich dir genommen habe, und ein drittes für den Kuß, den du mir geben wirſt; denn wiſſe, ſchöne Sän⸗ gerin, ich habe bei St. Valentin geſchworen, wenn ein ſchöner Mund(und der deine kann, wenns nichts beſ⸗ ſeres gibt, ſo genannt werden) zu meinem Vergnügen eine ſüße Muſik hören läßt, ihn an den meinigen zu
drücken.“
„Mein Geſang iſt großmüthig belohnt,⸗ ſagte Louiſe weiter zurücktretend,„meine Nüſſe ſind um guten Preis verkauft; ein anderer Handel, Mylord, wäre Eurer nicht würdig und ziemte mir nicht.“
Wie? du ſpielſt die Spröde, Nymphe der Heerſtra⸗
ßen,« rief Rothſay mit Verachtung,„wiſſe Mädchen, daß der, der dich um eine Gunſt bittet, nicht an ab⸗ ſchlägige Antwort gewöhnt iſt.“ 4
„Es iſt der Prinz von Schottland, der Herzog von Rothſay,“ ſagten die Hofleute dem armen erſchrockenen Mädchen, indem ſie ſich um ſie her drängten,„wider⸗ ſetzt Euch ſeinen Launen nicht.“
„Aber ich kann mich nicht bis zu Eurer Herrlichkeit erheben,“ ſagte Louiſe,⸗„Ihr ſeyd ſo hoch auf Eurem Roß.“
„Wenn ich vom Pferd ſteigen muß, wird die Buße noch größer ſeyn,“ ſagte der Herzog von Rothſay.„Ei! was zittert denn das Maͤdchen? Stelle deinen Fuß auf die Spitze meines Stiefels und gib mir die Hand.


