95⁵ Säckchen zu faſſen, das ſie trug. Louiſe machte geſchickt die Bandſchleife los und ſagte, indem ſie das Säckchen in der Hand des Prinzen ließ, zurücktretend:„Es ſind Haſelnüſſe, Mylord, Haſelnüſſe vom letzten Frühling.“
Der Prinz nahm eine Handvoll und rief:„Haſelnüſſe, Mädchen! ſie werden deine elfenbeinernen Zähne zer⸗ brechen und deine ſchöne Stimme verderben.“ Bei die⸗ Worten knackte er eine mit den Zähnen auf, wie ein Dorfſchüler.
„Es ſind keine Nüſſe aus meinem ſchönen Vaterland,“ ſagte Louiſe,„aber der Baum war nicht hoch und der Arme konnte die Frucht mit der Hand erreichen.“
„Ihr habt etwas, was Euch eine beſſre Nahrung verſchaffen würde,“ ſagte der Herzog mit einem Ton, worin mehr Güte lag, als in ſeiner herabwürdigenden und erkünſtelten Galanterie.
Im Augenblick, da er ſich umwandte, um einem aus ſeinem Gefolge ſeine Börſe abzufordern, begegnete der Prinz dem ſtrengen und durchbohrenden Blick eines großen, ſchwarzen Mannes, auf einem eiſengrauen Roß, der mit ſeinen Leuten hereingekommen war, während der Herzog von Rothſay mit Louiſen ſcherzte, und von dem Zorn und der Uieberraſchung, die ein ſo ungezie⸗ mender Anblick in ihm erregte, verſteinert blieb. Wer Douglas den Schwarzen noch nie geſehen hatte, der würde ihn an ſeiner ſchwarzbraunen Farbe, ſeinem rie⸗ ſenhaften Wuchs, an ſeinem Buffetin oder Koller von Stierfellen, an ſeiner ruhigen, muthvollen und nach⸗ denklichen Miene voll unbezähmbaren Stolzes erkannt haben. Er hatte ein Auge im Krieg verloren, und obwohl dieſes Unglück nicht beim erſten Anblick bemerkt wurde, da der Augapfel unverletzt war, ſo erhielt doch ſein Geſicht einen ſtarren und finſteren Ausdruck.
Die Zuſammenkunft des königlichen Eidams und ſei⸗ nes furchtbaren Schwiegervaters unter ſolchen Umſtän⸗ den feſſelte die Aufmerkſamkeit aller Anweſenden. Je⸗


