94 Es war der Herzog von Rothſay, Thronerbe von Schottland, eben ſo ſehr der Gegenſtand der Theil⸗ nahme als des Mitleidens. Jeder entfernte ſich und oͤffnete ihm den Weg, waͤhrend er nachlaͤßig wieder⸗ holte:„Bemuͤht Euch nicht, bemuͤht Euch nicht; ich werde noch bald genug da ankommen, wo ich hin will. — Aber was ſehe ich? ein Fraͤulein von der froͤhlichen Kunſt! und bei St. Giles, ein ſchoͤnes Maͤdchen da⸗ zu!— Laßt euch doch nicht ſtoͤren; nie habe ich eine Muſik unterbrochen. Eine ſchoͤne Stimme, bei der Meſſe! Fangt dieſe Strophe noch einmal an, ſchoͤnes Maͤdchen! 4 Louiſe wußte nicht, mit wem ſie ſprach, aber die allgemeine Ehrfurcht und das leichte, gleichguͤltige Be⸗ nehmen, mit dem dieſe Zeichen der Ehrerbietung auf⸗ genommen wurden, ſagten ihr, daß ſie von einem Manne vom hoͤchſten Rang Befehl erhalten habe. Sie fing wieder an und ſang beſſer. Der junge Prinz wurde gegen das Ende der Romanze nachdenklich, aber er war nicht gewohnt, einen traurigen Eindruck lange feſtzuhalten. 218 2 Sehr traurige Verſe, meine ſchoͤne Braune,“ ſagte er, indem er der jungen Saͤngerin das Kinn ſtrei⸗ chelte, und ſie am Kragen ihrer Kleidung hielt, was nicht ſchwer war, da er neben der Treppe, auf der das Mädchen ſtand, zu Pferde hielt. Aber ich wollte wetten, Ihr wißt luſtigere Lieder, ma bella tenebrosa und koͤnnt in einer gruͤnen Laube ſo gur als mitten in der Ebne, bei Nacht ſo gut als bei Tag ſingen. „Ich bin keine Nachtigall, Mylord,“ erwiederte Loniſe, um einer Art von Galanterie zu entgehen, die fuͤr den Ort nicht paßte, worauf aber der, mit dem ſie ſprach, nicht im mindeſten achtete. 3 „Was habt Ihr da, mein Kind?“ fuhr der Prinz fort, indem er Louiſens Kragen los ließ, um das
Teil eines Werkes
152. Bändchen = Neue Folge, 2. Bändchen, Das schöne Mädchen von Perth : 2. Theil (1830) The fair maid of Perth
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