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Unmoͤglich konnte dieſe Klaſſe von Frauen, die da⸗ mals ſehr zahlreich war, im Ganzen in Achtung ſte⸗ hen. Sie waren aber nichtsdeſtoweniger durch den Zeitgeiſt und beſonders durch die Geſetze der Cheva⸗ lerie beſchutzt, nichts war ſeltener, als dieſe irrenden Damen ſich uber erlittene Beleidigungen und Unrecht beklagen zu hoͤren. Ohne Gefahr gingen ſie an Oer⸗ tern ab und zu, wo bewaffnete Maͤnner wahrſcheinlich blutigen Widerſtand gefunden haͤtten. Aber obwohl, ihrer Kunſt zu Ehren, geduldet und geſchuͤtzt, fuͤhrten doch die Minſtrels beiderlei Geſchlechts, wie die herum⸗ ſtreifenden Muſiker und Schauſpieler unſerer Tage, ein zu ungeordnetes und armſeliges Leben, um ein geachteter Theil der Geſellſchaft zu ſeyn. Von den gewiſſenhaften Katholiken wurde ihre Kunſt ſogar fuͤr eine Suͤnde gehalten.. 312 1 258! Dies war das Maͤdchen, das auf der ſchon bezeich⸗ neten leichten Erhoͤhung ſtehend, gegen die Zuſchauer vortrat und ſich als Beſitzerin der froͤhlichen Kunſt ankuͤndigte, die ihre Titel durch die Verordnung eines Hofs der Liebe und Muſik ³) bekommen habe, der zu Air in der Provence, unter dem Vorſitz der Blume der Ritterſchaft, des tapfern Grafen Aymer gehalten worden, welcher die, durch die weite Welt wegen ihrer Tapferkeit und Artigkeit bekannten, ſchottiſchen Ritter bitte, einer armen Fremden den Verſuch zu erlauben, ihnen durch ihre Kunſt einiges Vergnuͤgen zu machen. 2* j Irldt ie de 3 3 Die Liebe zum Geſang war damals, wie die Liebe zum Ruhm, allgemeine Leidenſchaft, die jeder zeigte,
*) Es gab in der Provence mehrere Liebeshoͤfe. Die poetiſchen Werke der Troubadours theilte man in sonts(Sonnette cansouns)(Canzonen), sirventes
ſ(ſatyriſche Gedichte), madrigales, tensons(ge⸗ raͤumte Dialogen) ꝛc. Anm. d. Ker.


