84 werden bald anlangen, und dann, wenn unſer Rath verſammelt iſt, haben wir wichtigere Angelegenheiten zu verhandeln.“
Etwas, wie ein veraͤchtliches Laͤcheln, wurde uͤber den Lippen und den ſtolzen Brauen des Grafen von March ſichtbar, waͤhrend er der Fenſtervertiefung zu⸗ ging. Stillſchweigend ſtellte er ſich neben den Prior, und wenn er auch dem Befehle des Koͤnigs Folge lei⸗ ſtete, ſo bemerkte er doch mit Verachtung die angſt⸗ liche Vorſicht, mit der der Monarch den Ausbruch eines Streites zu verhuͤten ſuchte. Die Melodie, wel⸗ che auf einer Leyer geſpielt wurde, war anfangs leb⸗ haft und munter, und man erkannte darin einen An⸗ flug der froͤhlichen Weiſen der Troubadour's. Aber nach und nach wurde die Stimme der Saͤngerin und die begleitenden Toͤne des Inſtruments klagend und gedehnt, wie wenn ſie die duͤſtern Gefaͤhle der Kuͤnſt⸗ lerin ausgedruͤckt haͤtten.
Der beleidigte Graf, mochte er nun die vom Koͤnig geruͤhmten Talente wirklich beſitzen oder nicht, gab, wie man ſich denken kann, auf die Saͤngerin wenig Achtung. In ſeinem ſtolzen Gemuͤth kaͤmpfte die Treue, die er ſeinem Oberherrn ſchuldig war, und die Liebe, mit der er noch an ſeinem guͤtigen Monarchen hieng, mit dem Verlangen nach Rache, das aus getaͤuſchtem
Ehrgeiz und dem dadurch erlittenen Schimpf entſprang,
daß Morjory Douglas ſtatt ſeiner bereits mit dem Prinzen verlobten Tochter, die Gemahlin des Thron⸗ erben geworden war. March hatte die Fehler und Tugenden der unſchluͤßigen Charaktere, und ſelbſt, wenn er ſich vom Koͤnige beurlaubt haͤtte, in der Abſicht, die ihm geſchworene Treue zu brechen, haͤtte er, ſobald er auf ſeinen Guͤtern angelangt waͤre, uͤber ein ſo ſtrafbares, mit ſo vielen Gefahren verknuͤpftes Vor⸗ haben nicht mit ſich in's Reine kommen koͤnnen. Dieſe Gedanken beſchaͤftigten ihn waͤhrend des erſten Theils


