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wachſen, und doch ſind dieß die Pflichten, zu denen Du ſo gern zuruͤckkehren moͤchteſt?“
dein, meine gute und wohlwollende Gebieterinn, ſagte Mordaunt:— doch, um eine Pflicht zu nennen, welche mir, unter mehreren andern, die Obliegenheit auferlegt, Dich zu verlaſſen, wirſt Du mir erlauben, die eines Soh⸗ nes gegen ſeinen Vater zu nennen.
„Gegen Deinen Vater?“ ſagte Norna, mit einem Gelaͤchter, welches beinahe etwas Wahnſinniges an ſich hatte:„ol Du weißt nicht, wie wir, auf dieſen Inſeln, Pflichten der Art auf einmal abzuſtreifen wiſſen! Und, was Deinen Vater betrifft,“ fuͤgte ſie ruhiger hinzu: „was hat Er fuͤr Dich gethan, die Achtung und Pflichter⸗ gebenheit zu verdienen, von der Du ſprichſt? Iſt er es nicht, der Dich, wie Du mir ſchon vor laͤngerer Zeit er⸗ zaͤhlt haſt, ſo viele Jahre lang aͤrmlich unter Fremden ließ, ohne ſich nur ein einiges Mal zu erkundigen, ob Du lebteſt oder todt waͤreſt, und nur von Zeit zu Zeit Dir Unterſtuͤtzung ſandte, wie man einem Ausſaͤtzigen All⸗ moſen aus der Entfernung zuwirft. Und als er Dich, in ſpaͤtern Jahren, zum Gefaͤhrten ſeines Elends machte, war er nicht abwechſelnd Dein Zuchtmeiſter oder Dein Quaͤl⸗ geiſt, aber nie, Mordaunt, Dein Vater?“
Was Du da ſagſt, iſt nicht ganz unwahr, erwiederte Mordaunt: mein Vater iſt nicht zaͤrtlich, aber er iſt und war immer wirklich wohlwollend. Die Menſchen haben ihre Neigungen nicht in ihrer Gewalt, und es iſt die Pflicht eines Kindes, fuͤr die Wohlthaten, welche es empfaͤngt, dankbar zu ſeyn, ſelbſt wenn ſie mit Kaͤlte erwieſen wer⸗ den. Mein Vater hat mich auszubilden geſucht, und ich bin uͤberzeugt, er liebt mich; er iſt ungluͤcklich, und ſelbſt wenn er mich nicht liebte..
„Er liebt Dich auch nicht,“ ſagte Norna heftig: „er liebte nie Etwas, oder Jemanden, ſich ſelbſt ausge⸗ nommen. Er iſt ungluͤcklich, aber er verdient ſein Un⸗ gluͤck.— O Mordaunt, nur Einer von Deinen Aeltern,


