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Trotz dieſer Veroͤdung blieb der Kirche St. Ringan's doch noch immer ein Schein der ihr fruͤher erwieſenen Ver⸗ ehrung. Die rohen, unwiſſenden Fiſcher von Dunrossness beobachteten einen Gebrauch, deſſen Urſprung ſie ſelbſt wohl ganz vergeſſen haben mochten, und wovon die evangeliſche Geiſtlichkeit ſie umſonſt abzubringen ſuchte.— Wenn ihre Boote ſich in aͤußerſter Gefahr befanden, ſo war es bei ihnen gewohnlich, Sankt Ringan ein ſogenanntes Almo⸗ ſen zu geloben, und wenn die Gefahr voruͤber war, ſo ermangelten ſie nie, ſich ihres Geluͤbdes dadurch zu entle⸗ digen, daß ſie einzeln und heimlich nach der alten Kirche kamen, dort ihre Schuhe und Struͤmpfe, am Eingange des Kirchhofes, auszogen, und nun dreimal um die Kirche gingen, wobei ſie wohlweislich es ſo einrichteten, daß dieß nach dem Laufe der Sonne geſchah. War der Umgang zum dritten Male vollendet, ſo warf der Opfernde ſeine Spende⸗ gewoͤhnlich eine kleine Silbermuͤnze, zwiſchen den ſteiner⸗ nen Pfoſten eines lanzetförmigen Fenſters hindurch, wel⸗ ches auf einen Seitengang hinging, und begab ſich dann hinweg, ohne jedoch ſich eher umzuſehen, als bis er auſ⸗ ſerhalb der Graͤnzen dieſes einſt heiligen Bodens war; denn es war ein allgemeiner Glaube, daß das Gerippe des Heiligen die Gabe in ſeine knoͤcherne Hand empfange und ſeinen graͤßlichen Todenſchaͤdel am Fenſter zeige, durch welches ſie geworfen worden.
Fuͤr ſchwache und einfaͤltige Gemuͤther erhielt der Ort noch dadurch etwas ganz beſonders Schrecken Erregendes, daß dieſelben ſtuͤrmiſchen, wirbelnden Winde, welche, auf der einen Seite der Kirche, die Truͤmmern in Sande zu begraben drohten(und in der That dieſen ſchon in großer Menge angehaͤuft hatten, ſo daß die Seitenmauer mit ih⸗
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