39 gewiß keine Urſache zu zittern. Sey uͤberzeugt, daß der Schuldloſe nichts zu fuͤrchten hat.“
„Es mag keine Gefahr vorhanden ſeyn!“ ſagte Breu⸗ da, welche nicht im Stande war, ihre natuͤrliche Neigung zum Spott zu unterdruͤcken:„aber, wie das alte Scywaͤn⸗ kebuch ſagt, die Furcht iſt nun einmal da. Indeſſen will ich doch bei Dir bleiben, Minna, da ich—“ ſetzte ſie, ihr zuflüſternd, hinzu—„Dich nicht mit der furchtbaren Frau allein laſſen mag, und da ich eine dunkte Treppe hinabſteigen und einen langen Gang hinuntergehen muß, ehe ich zu Euphante Fea komme; ſonſt ſollte ſie hier ſeyn, ehe fuͤnf Minuten vergehen.“
„Rufe Niemanden herbei, Maͤdchen,“ ſagte Norna: „wenn Du Dein Leben lieb haſt, und unterbrich meine Erzaͤhlung nicht, denn ich kann und darf ſie nicht fortſe⸗ tzen, wenn dieſes Zauberlicht nicht mehr brennt.“
„Und ich danke Gott,“ ſagte Brenda bei ſich ſelbſt: „daß das Oel ſchon tief in der Lampe geſunken iſt; ich haͤtte nicht wenig Luſt, ihr einen Stoß zu geben, aber dann waͤre Norna mit uns allein im Dunkeln, und die Sache noch aͤrger.“
So ergab ſie ſich denn in ihr Schickſal, und ſetzte ſich nieder, entſchloſſen, mit aller Faſſung, die ihr nur zu Ge⸗ bote ſtand, den uͤbrigen Theil von Nornas Erzählung mit anzuhoͤren, welcher folgendermaßen lautete:
„An einem heißen Sommertage, und gerade um die Mittagsſtunde,“ fuhr Norna fort:„als ich bei dem Zwerg⸗ ſteine ſaß, die Augen auf den Wart Hill geheftet, von wo aus der geheimnißvolle, ewigbrennende Karfunkel ſeine Strahlen heller als gewoͤhnlich herabſtroͤmen ließ, und in meinem Herzen die engen Graͤnzen des menſchlichen Wiſ⸗


