Teil eines Werkes 
102. Band, Robin der Rothe : 3. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
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Waͤhrend ich in Gedanken daruͤber fortſchlenderte, wurde meine Aufmerkſamkeit durch drei Perſonen rege ge⸗ macht, die ſich am obern Ende des Ganges zeigten, und wie es ſchien, in eine ſehr ernſte Unterhaltung verflechten waren. Jene Ahnung, die uns das Nahen eines mit He f⸗ tigkeit gellebten oder gehaßten Menſchen lange vorher an⸗ kuͤndigt, ehe ein gleichguͤltigeres Auge ihre Geſtalt erkennt, durchzuckte meine Bruſt, und ich war uͤberzeugt, der mittle⸗ re von den dreien ſey Raſhligh. Ihn anzureden, war mein erſter Gedanke, mein zweiter, ihn zu bewachen, bis er allein ſey, oder wenteſtens ſeine Vegleiter erſt ins Auge zu faſſen, ehe ich ihn zur Rede ſtellte. Sie waren noch ſo entfernt, und ſo ſehr in ihr Geſpraͤch vertieft, daß ich Zeit hatte, unbeobachtet auf die andere Seite einer kleinen Hecke zu gehen, welcher zum Theil renigſtens einen Schirm gegen den Gang bildete.

Es war zu jener Zeit unter muntern Juͤnglingen Sitte, auf den Morgenſpaziergaͤngen eine vielfach mit Treſſen und Stickereien beſetzten Scharlachmantel uͤber den andern Kleidern zu tragen, und Stutzer machten ſich bis⸗ weilen den Spaß, das Geſicht halb damit zu verhuͤllen. Der uͤbergeſchlagene Mantel und die Hecke verdeckten mich wenigſtens ſo weit, daß ich mich meinem Vetter naͤhern

konnte, ohne von ihm ſowohl als von den uͤbrigen fuͤr et⸗

was anders als einen voruͤbergehenden Fremden gehalten zu werden. Ich war nicht wenig erſtaunt, in ſeinen Be⸗ gleitern meinen ehematigen Anklaͤger Morris und den Kaufmann Mac Vittie zu erkennen, deſſen ſteifes, ſtarres Ausſehen am vorigen Tage mich zuruͤckgeſtoßen hatte. Schwerlich haͤtten ſich drei Menſchen denken laſſen, deren Vereinigung mir und meinem Vater von ſchlimmerer

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