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etwas fuͤr meine Neugterde oder Unterhaltung zu ſuchen, als um meine Gebanken zu ordnen, und uͤber mein kuͤnf⸗ tiges Benehmen nachzudenken. Ich wanderte an der ei⸗ nen Ecke oer altvaͤteriſchen Gebaͤude zur andern, und end⸗ lich in den Garten des Colleglums, worin ich, erfreut uͤber die Einſamkeit des Platzes, da die meiſten Schuͤler ihre Lernzeit hatten, mehreremal auf und abging, in Gedanken mit meinem ſeltſamen Schickeal beſchaͤftigt.
Nach den Umſtaͤnden zu ſchließen, von denen mein er⸗ ſtes Zuſammentreffen mit dieſem Campken begleitet war, konnte ich nicht zweifeln, daß er in irgend eine verzwei⸗ felte Unternehmung verflochten ſey, und dieſer Verdacht wurde mir noch beſtaͤtigt theils durch die ganze Scene der verfloſſenen Nacht, theils durch den Widerwillen, welchen Herr Jarvie zeigte, auf ein Geſpraͤch uͤber ſeine Perſon und ſein Treiben näher einzugehen. Doch hatte Diana Vernon, wie es ſchien, keinen Anſtand genommen, mich an dieſen Mann zu verweiſen, und ſelbſt das Benehmen des Stadtbeamten gegen ihn zeigte eine ſeltſame Miſchung von Wohlwollen, ſelbſt von Ehrerbietung auf der einen, von Mitleiden und Tadel auf der andern Seitte. In Campbells Lage und Charakter mußte etwas ungewoͤhnli⸗ ches ſein, und was noch ſonderbarer war, es ſchien meln Verhaͤngniß zu ſein, daß ſein Schickſal auf das meinige einen Elufluß aͤußern und damit verknäpft ſein ſollte. Ich beſchloß, bei erſter Gelegenheit ſtaͤrker in Herrn Jarvie zu dringen, und ſo viel als moͤglich uͤber dieſen geheimniß⸗ vollen Mann in Erſahrung zu bringen, damit ich beurthei⸗ len koͤnnte, ob ich ohne Gefahr fuͤr meinen Ruf mich ſo weit in einen Verkehr mit ihm einlaſſen koͤnne, wozu er mich einzuladen ſchien.


