Teil eines Werkes 
102. Band, Robin der Rothe : 3. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
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meines Vaters Geſchaͤfte mit den Eigenthuͤmern der Hoch⸗ land Waldungen vielleicht fuͤhren koͤnnten. Ich glaube, wenn ich ihn in dieſem Augenblick um dem Weg nach dem irdiſchen Paradieſe gefragt haͤtte, er haͤtte es unternom⸗ men, mich zu fuͤhren, ſo daß ich mir nachher Gluͤck wuͤnſch⸗ te, daß ſeine Kenntniß nicht ſehr weit hinter ſeinen Be⸗ theuerungen zuruͤckblieb. Ich beſtimmte ihm ſeinen Lohn, und behielt mir das Recht vor, ihn mit dem Geſchenk ei⸗ nes Wochenlohns zu entlaſſen, wann es mir beliebe. Schließlich gab ich ihm noch einen ſtrengen Verweis uͤber ſein Benehmen am vorigen Tage, und entließ ihn dann. Zwar ziemlich kleinlaut, doch freudigen Herzens entfernte er ſich, um ſeinem Freunde, dem Vorſaͤnger, der in der Kuͤche ſein Morgenſchluͤckchen nahm, zu erzaͤhlen, auf wel⸗ che Weiſe er den naͤrriſchen engliſchen Junker zur Ver⸗ nunft gebracht habe.

Verabredetermaßen begab ich mich nun zu Herrn Ni⸗ col Jarvie, wo im Beſuchzimmer ein artiges Fruͤhſtuͤck aufgetragen war. Der geſchaͤftige, wohlwollende Rath⸗ mann hatte redlich Wort gehalten; ich fand meinen Freund Owen in Freiheit, und die Erfriſchungen, die Buͤrſte und das Waſchbecken hatten aus dem unreinen, kummervollen und hoffnungsloſen Gefangenen einen ganz andern Menſchen gemacht. Doch die Geldverlegenheit ſaß ihm noch immer im Nacken, und druͤckte ſeinen Geiſt nie⸗ der; die faſt vaͤterliche umarmung des guten Mannes wurde verbittert durch einen Seufzer der tiefſten Beſorg⸗ niß. Die Schwerfaͤlligkeit in ſeinem Benehmen und in feinem Blick, ſo verſchieden von der gewoͤhnlichen, ruhi⸗ gen und gelaſſenen Zufriedenheit, zeigte an, daß er in Ge⸗ danken die Tage, die Stunden, die Minuten zaͤhlte, nach