Teil eines Werkes 
102. Band, Robin der Rothe : 3. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

8

21

in der Galzenſtraße jener Stadt erfragen koͤnne. Eben ſo wurde ich darin auf einige Briefe verwleſen, welche, wie mir ſchien, verloren gegangen oder unkerſchlagen ſeyn mußten, und man beklagte ſich uͤber mein hartnaͤckiges Stillſchweigen in Ausdruͤcken, die höchſt ungerecht geweſen ſeyn waͤrden, wenn meine Briefe an ihre Beſtimmung ge⸗ langt waͤren. Ich war in hohem Grade beſtuͤrzt, und konnte nicht einen Augenblick zweifeln, daß Rafhleighs Geiſt mich umſchwebe, und die Zweiſel und Schwierigkei⸗ ten heraufbeſchwoͤre, die mich umgaben; doch lag etwas ſchauerliches in dem Gedanken an die Groͤße der Nieder⸗ traͤchtigkeit und an die Ausdehnung der Gewalt, die er

zur Vollfuͤhrung ſeiner Plaͤne in Anwendung gebracht

hatte. In einer Hinſicht muß ich mir ſelbſt Gerechtigkeit widerfahren laſſen; ſo ſehr mich unter andern Ruͤckſichten und zu einer andern Zeit die Trennung von Miß Vernon geſchmerzt haben würde, ſo trat ſie doch in den Hinter⸗ grund, wenn ich an die Gefahren dachte, die meinem Va⸗ ter drohten. Ich ſelbſt legte keinen hohen Werth auf Reichthum, und glaubte, wie die meiſten jungen Leute von lebhafter Einbildungskraft, das Geld leichter entbehren, als meine Zeit und meine Faͤhigkeiten auf die zu Erwer⸗

bung deſſelben noͤthige Arbeit verwenden zu koͤnnen. Aber

von meinem Vater wußte ich, daß er einen Bankrott als das groͤßte, unerſetzliche Ungluͤck betrachte, wogegen das Le⸗ ben keinen Troſt, der Tod aber die ſchuellſte und einzise Huͤlfe gewaͤhre.

Um dies Ungluͤck abzuwenden, entwikelte mein Geiſt eine Kraft, die der Eigennutz nie geweckt haben wuͤrde, wenn es mein eigenes Vermoͤgen gegolten haͤtte; der Er⸗

folg melner Betrachtungen war, daß ich den Entſchluß