14 werden, uns die wenigen Stunden noch ferner zu erbit⸗ tern, die wir dieſſeits der Ewigkeit noch beiſammen ſeyn werden.
Ich weiß nicht, Treshoam, durch welche geheime Kraft dieß bezaubernde Weſen eine ſo voͤllige Herrſchaft uͤber mein Gemuͤth ausuͤbte, das ich ſelbſt nicht immer beherr⸗ ſchen kann. Ich war beim Eintritt in die Bibliothek ent⸗ ſchloſſen, von Miß Vernon eine vollſtandige Erklaͤrung zu verlangen. Sie verweigerte mir dieſe mit verachtendem Unwillen und geſtand mir offen das Daſeyn eines beguͤn⸗ ſtigten Nebenduhlers; denn welche andere Bedeutung konnte ich der eingeſtandenen Beguͤnſtigung ihres geheimnißvollen Ver trauten geben? Und doch, als ich auf dem Punkt war, das Zimmer zu verlaſſen, und mit ihr auf immer zu bre⸗ chen, brauchte ſie nur Blick und Ton zu ändern, und ſtatt einer ſtolzen Empfindlichkeit eine freundliche und ſcher⸗ zende Gewalt, womit Wehmuth und Ernſt ſich verſchmolz, mir zu zeigen, um mich, als ihren gehorſamen Untertha⸗ nen, auf ihre eigenen harten Bedingungen hin, zuruͤckzu⸗ fuͤhren. 3
„Zu was ſoll dies fuͤhren?“ ſagte ich, als ich mich niederſetzte;„zu was kann dies fuͤhren, Miß Vernon? Warum ſoll ich Zeuge einer Verlegenheit ſeyn, die ich nicht heben kann, von Geheimniſſen, die ich zu durchdrin⸗ gen nicht verſuchen darf, ohne Euch zu beleidigen? So un⸗ erfahren Ihr auch ſeyn moͤgt in der Welt, ſo muͤßt ihr doch einſehen, daß ein ſchoͤnes junges Weib nur einen maͤnnlichen Freund haben kann. Selbſt bei einem maͤnn⸗ lichen Freunde waͤre ich eiferſuͤchtig auf ein Vertrauen, das ich mit einem dritten unbekannten und verborgenen Vertrauten theilen ſollte, aber bei Euch, Miß Vernon.—“


