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Es lebt kein Menſch, von dem ich ausgefragt oder gerich⸗ tet ſeyn will, und wenn Ihr dieſe ungrwoͤhnliche Zeit aus⸗ geſucht habt, um hieher zu kommen und meine Geheim⸗ niſſe auszuſpaͤhen, ſo iſt die Freundſchaft oder der An⸗ theil, den Ihr an mir zu nehmen vorgebt, nur eine arm⸗ ſelige Entſchuldigung fuͤr Eure unartige Neuglerde.“
„Ich enthebe Euch meiner Gegenwart,“ ſagte ich mit gleichem Stolze, der ſich auch da nie beugen wollte, wo meine Gefuͤhle aufs hoͤchſte betheiligt waren,—„ich ent⸗ hebe Euch meiner Gegenwart. Ich erwache aus einem angenehmen, aber hoͤchſt taͤuſchenden Traume und— doch wir verſtehen einander.“
Ich hatte die Thuͤre erreicht, als Niß Vernon, de⸗ ren Regungen oft ſo raſch waren, daß ſie inſtinktartig ſchlenen, mir zuvorkam, und mich am Arme feſthielt mit jenem befehlenden Weſen, das ſie oft auf eine ſeltſame Weiſe annehmen konnte, und bei ihrer Unbefangenheit und Einfachheit eine ſo ergreifende Wirkung hervorbrachte.
„Haltet, Herr Franz,“ ſagte ſie,„ſo ſollt Ihr nicht von mir ſcheiden; ich bin nicht ſo reichlich mit Freunden verſehen, daß ich ſelbſt die undankbaren und ſelbſtſuͤchti⸗ gen wegſtoßen koͤnnte. Merkt, was ich ſage; Ihr ſollt nichts von dieſem geheimnißvollen Handſchuh wiſſen,“ mit dieſen Worten hob ſie ihn in die Hoͤhe,„nichts,— nein, nicht ein Jota mehr, als Ihr bereits davon wißt, doch kann ich nicht zugeben, daß er ein Fehdehandſchuh zwiſchen uns wird. Meine Zeit hier,“ ſagte ſie, und ihre Stimme wurde ſanfter,„kann unmoͤglich mehr lange dauern, die Eurige noch weniger: bald muͤſſen wir uns trennen, um uns nie wieder zu ſehen; laßt uns alſo nicht zanken, laßt mein geheimnißvolles Ungluͤck nicht zum Vorwand


