11 nem Augenblick ruhig, und ſo ſtark iſt das böſe Gewiſſen, daß ich, der ſie überraſchen wollte, ſelbſt der überraſchte und ganz gewiß der verlegene Theil war.“ „Iſt etwas vorgefallen?“ ſagte Miß Vernon.„Kam je⸗ mand im Soloſſe an?“ 3 „Nicht, daß ich wüßte“ antwortete ich etwas verwirrt; „ich ſuchte blos den Oclando.“ „Er liegt hier,“ ſagte Miß Vernon, auf den Tiſch deu⸗ tend. 3
Als ich etliche Bücher weglegte, um das zu ſinden, was ich zu ſuchen vorgab, dachte ich bereits daran, mich auf eine gute Weiſe von einer Nachforſchung zurückzuziehen, zu der es mir, wie ich fühlte, an einer Sicherheit des Benehmens fehlte; da fiel mir auf einmal ein Mannshandſchuh in die Augen, der auf dem Tiſche lag. Meine Blicke begegneten denen Miß Vernons, welche tief erröthete.
„Es iſt eine meiner Reliquien,“ antwortete ſie nicht meinen Worten, ſondern meinen Blicken,„es iſt einer der Handſchuhe meines Großvaters, deſſen herrliches Bild von Vandyke Ihr bewundert habt.“
Als ſchiene ihr noch etwas mehr, als ihre bloße Behaup⸗
tung nothwendiag, um ſich Glauben zu verſchaffen, öffnete ſie einen Schubkaſten an dem großen eichenen Tiſche, nahm ei⸗ nen andern Handſchuh heraus, und warf ihn mir zu. Wenn ein von Natur aufrichtiges Gemüth zu Zweideutigkeit und Verſtellung ſeine Zuflucht nimmt, ſo erregt gerade die ängſt⸗ liche Mühe, womit die unge vohnte Aufgabe vollzogen wird, bei dem Zuhoͤrer Zweifel an der Wahrheit. Ich warf ſehnell einen Blick auf beide Handſchuhe, und erwiederte ernſt:die Handſchuhe gleichen einander allerdings in Form und Sticke⸗


