Teil eines Werkes 
102. Band, Robin der Rothe : 3. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
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die alte Meinung zuruͤck, daß eine einzelne Perſon, und zwar ein Mann, und aller Wahrſcheinlichkeit nach ein jun⸗ ger, ſchoͤner Mann, im Hintergrunde Dianas Benehmen leite; brennend vor Verlangen, einen ſolchen Nebenbuhler zu entdecken oder vielmehr zu ertappen, gieng ich in den Garten, um den Augenblick zu erlauern, wo die Lichter in den Fenſtern der Bibliothek erſcheinen wuͤrden.

So heftig war indeß meine Ungeduld, daß ich lange, ehe das Licht ſichtbar werden konnte, eine volle Stunde vor Einbruch der Dunkelheit an einem Juliabend meine Wache begann. Es war Sonntag, alle Gaͤnge waren ſtill und einſam. Ich gleng eine Zeitlang auf und nieder, ge⸗ noß die erfriſchende Kuͤhle des Sommerabends, und er⸗ wog die vermuthlichen Folgen meines Unternehmens. Die friſche balſamiſche Luft des Gartens, mit dem Dufte der Pflanzen gewürzt, äußerte, wie gewoͤhnlich, ihre beruhigen⸗ den Wirkungen auf meln ſieberhaft erhiztes Blut, der Aufruhr in meiner Seele begann ſich zu legen, ſo das: mir ſelbſt die Frage vorlegte, was ich fuͤr ein Recht haͤtte, mich ich Miß Vernons Geheimniſſe oder in die der Fami⸗

lie meines Oheims zu miſchen. Was geht es mich an,

wen mein Oheim in ſeinem Hauſe ververgen will, wo ich ſelbſt nur ein geduldeter Gaſt bin? Und was fuͤr ein Recht hatte ich, Miß Vernons Angelegenheiten aus zukundſchaf⸗ ten, dlie, wie ſie ſelbſt geſtand, mit einem Geheimniß um⸗ huͤllt waren, das ſie nicht erforſcht wiſſen wollte?

Leldenſchaft und Eigenwille hatten ihre Antworten auf dieſe Fragen gleich in Bereitſchaft. Entdeckte ich den ge⸗ heimen Gaſt, ſo leiſtete ich aller Wahrſcheinlichkeit nach meinem Ohelm einen Dienſt, der vermuthich von den in ſeinem Hauſe geſchmiedeten Raͤnken nichts wußte, und