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und der Nacht offen, und man konnte mir nicht den Vor⸗ wurf der Zudringalichkeit machen, ich mochte auch noch ſo ploͤtzlich und unerwartet darin erſcheinen. Ich war ſehr geneigt, zu glauben, daß Miß Vernon in dieſem Zimmer Vaughan oder irgend jemand anders, durch deſſen Meinung ſie ihr Benehmen lenken zu laſſen gewohnt war, zuweilen empfieng, und zwar zu Zeiten, wo ſie am wenigſten Ge⸗ fahr lief, unterbrochen zu werden. Die Lichter, welche zu ungewoͤhnlichen Stunden in der Bibliothek glaͤnzten,— die voruͤberziehenden Schatten, welche ich ſelbſt bemerkt hatte, — die Fußſtapfen, welche zman im Morgenthau von der Thurmthäre nach dem Gartenpfoͤrtchen entdeckte,— die Toͤne und Geſtalten, welche einige Diener, und beſonders der Gaͤrtner, beobachtet un in ihrer Art ſich erklaͤrt hatten, — alles dieß zeigte an, daß dieſer Ort von jemanden be⸗ ſucht werde, der nicht zu den gewoͤhnlichen Schloßdewoh⸗ nern gehoͤre. Dieſer Gaſt mußte wahrſcheinlich in Dlanas Schickſal verwickelt ſeyn, und alsbald entwarf ich einen Plan, um zu entdecken, wer oder was er ſei,— in wie weit ſein Einſluß von guten und boͤſen Folgen fuͤr ſie ſeyn koͤn⸗ ne, vor allem aber, obgleich ich mich ſelbſt uͤberreden wollte, das dieß nur eine untergeordnete Ruͤckſicht ſey, ſuchte ich zu erfahren, durch welche Mittel der Unbekaunte ſeinen
inuß auf Diana erworben und behauptet habe, und ob er ſie durch Furcht oder Zuneigung beherrſche. Der Be⸗ weis, daß dieſe eiferſuͤchtige Neugierde der Hauptbeweg⸗ grund war lag darin, daß ich mir Miß Vernons Benehmen als von dem Einfluß eines einzigen Menſchen abhaͤngig dachte, obgleich nach allem, was ich von der Sache wußte, ihre Rathgeber zahllos ſeyn konnten. Ich machte dieſe Be⸗ merkung oft bel mir ſelbſt, aber immer kam ich wieder auf


