Teil eines Werkes 
102. Band, Robin der Rothe : 3. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
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einen noch wichtigern Dienſt letſtete ich Miß Vernon ſelbſt, deren offener, einfacher Charakter ſie ſo manchen Gefahren ausſezte, wenn ſie ein geheimes Verſtaͤndniß mit einer Perſon von vielkeicht zweifelhaftem oder gefaͤhrlichem Cha⸗ rakter unterhielt. Wenn es auch ſchien, als draͤnge ich mich in ihr Vertrauen ein, ſo geſchah es in der großmuͤthigen und uneigennuͤtzigen, ja, ich wagte es zu ſagen, in der uneigennuͤzigen Abſicht, ſie zu leiten, zu vertheidigen, zu ſchuͤtzen gegen Liſt, gegen Bosheit, und becon⸗ ders gegen den geheimen Rathgeber, den ſie zu ihrem Ver⸗ trauten gewaͤhlt hatte. Das waren die Gruͤnde, die mein Eigenwille kuͤhn dem Gewiſſen als aͤchte Muͤnze bot, und die das Gewiſſen, gleich einem murrenden Kraͤmer hinnahm, um es nur nicht zum offenen Bruch mit einem Kunden kommen zu laſſen, obgleich es die Aechtheit der Stuͤcke mehr als bezweifelte.

Als ich die gruͤnen Gaͤnge durchſchritt, und das Fuͤr und Wider in Betracht zog, traf ich ploͤtzlich auf Andreas Gutdtenſt, der vor einer Reihe Bienenſtoͤcke, gleich einem Standbild in andaͤchtige Betrachtungen verſunken ſtand ein Auge bewachte die Bewegungen des kleinen reizbaren Voͤlkchens, das in ſeinen Strohkoͤrben Obdach fuͤr den Abend ſuchte, das andere war auf ein Andachksbuch geheftet, das durch haͤnfigen Gebrauch ganz abgegriffen war, und eine eifoͤrmige Geſtalt erhalten hatte; der enge Druck und die verloͤſchten Farben gaben ihm ein Auſehen von hoͤchſt ehr⸗ wuͤrdigem Alterthum.

Ich las da eben in dem Buche des wuͤrdigen Kerrn John Quackleben: Suͤß duftende Blumen geſaͤet auf das Miſtheet der Wrlt, ſagte Andreas, ſchloß das Buch, und