Teil eines Werkes 
101. Band, Robin der Rothe : 2. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
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heit! ſie ſuchte mir dabei ihre Hand zu entziehen, doch

nicht ſo hartnaͤckig, als ob es ihr augenblicklich gelingen

ſollte, und ich hielt ſie beinahe eine Minute feſt.Hoͤrt

mich, und baͤndigt dieſen unmaͤnnlichen Ausbruch der Lei⸗

denſchaft. Ich bin durch einen feierlichen Vertrag die

Braut des Himmels, wenn ich mich nicht lieber der

Schändlichkeit in der Perſon Raſhleighs, oder der Rohheit in der Perſon ſeines Bruders antrauen laſſen will. Dar⸗

um bin ich die Braut des Himmels, dem Kloſter verlobt von meiner Wiege an. Bei mir ſind alſo dieſe Entzuͤ⸗

ckungen uͤbel angebracht, ſie bewieſen nur noch mehr, wie

nothwendig es iſt, daß Ihr, und zwar ohne Aufſchub, ab⸗

reiſet.

Mit dieſen Worten brach ſie ploͤtzlich ab, und ſagte mit unterdruͤckter Stimme:Verlaßt mich ſogleich, wir wer⸗

den uns hier wiederfinden, aber zum leztenmale.

Meine Augen folgten den ihrigen, und ich glaubte ei⸗

ne Bewegung an der Tapete zu bemerken, welche die Thuͤre

des geheimen Gangs von Raſhleighs Zimmer in der Bi⸗ bliothek bedeckte. Ich merkte, daß wir beobachtet waren, und wandte einen forſchenden Blick auf Miß Vernon.

Es iſt nichts, ſagte ſie mit ſchwacher Stimme;ei⸗ ne Ratte hinter der Tapete.

Ein heftiger Unwille hob ſich in meiner Bruſt, wenn ich daran dachte, bei einer ſolchen Gelegenheit behorcht wor⸗ den zu ſeyn. Klugheit, die Nothwendigkeit, meine Leiden⸗

ſchaft zu bezwingen, und Dianas wiederholtes Gebot, ſie zu verlaſſen, kamen noch zu rechter Zeit einer unbeſonnenen